Ein türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien.  (Archivfoto)
Ein türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien. (Archivfoto)

Ein türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien. (Archivfoto)

dpa

Ein türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien. (Archivfoto)

Neuland. Nachdem der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mittlerweile vor Religionskriegen in Europa – je nach Lesart der Übersetzung –warnt oder mit ihnen droht, und die Türkei Erdogans mit der islamischen Weltgemeinschaft von zwei Milliarden Menschen gleichsetzt, lohnt sich ein Blick auf die Bewaffnung des Nato-Landes.

Nach türkischer Lesart ist sie selbstredend die beste Welt, technologisch alle anderen überragend und vor allem zu 100 Prozent türkisch. „Panzer als Baum: Türkische Wissenschaftler feiern Durchbruch in Tarntechnologie“, überschrieb der Online-Jubeldienst „Nex“ eine wirre Geschichte über Tarntechnologie (goo.gl/biCrwe).

Ein großer Stolz der türkischen Rüstung ist der erste eigene Panzer „Altay“ (Reklame-Video: goo.gl/rt3b9q). „Laut dem Geschäftsführer der türkischen Rüstungsschmiede werde die Produktion des indigenen Panzers die ausländische Abhängigkeit der Türkei reduzieren. Dies sei der erste nationale Panzer der Türkei, der in Massenproduktion hergestellt wird. ,Das Design und die Rechte am geistigen Eigentum gehören der Republik Türkei’, fügte er hinzu“, heißt es bei „eurasianews“ (goo.gl/YRYF32).

Die Glaubwürdigkeit der Quellen Nex und eurasianews kann man besser einschätzen, wenn man weiß, dass sie in einem Dortmunder Postfach und auf dem Gelände einer Berliner Gärtnerei residieren. Der „Altay“-Panzer ist ein Lizenzbau des südkoreanischen „K2 Black Panther“. Diesel, Getriebe und Kanone kommen von MTU und Rheinmetall aus Deutschland (siehe Wikipedia).

Das Streben nach militärtechnischer Autarkie mit einem Anflug von Größenwahn ist nicht neu (goo.gl/iyE5kq). Bis 2023 will die Erdogan-Türkei auch ein eigenes Kampfflugzeug bauen. Und einen Flugzeugträger in Betrieb nehmen. Eigene Kampfdrohnen hat die türkische Armee seit 2016. Und seit neustem auch ein eigenes Gewehr.

Bei der Übergabe der ersten 500 Exemplare im Januar soll Verteidigungsminister Fikri Isik erklärt haben, die Abhängigkeit der Türkei von ausländischer Waffentechnik sei von 80 Prozent vor 15 Jahren auf jetzt 40 gefallen. Das Ziel sei es, unter 20 zu kommen (siehe goo.gl/4fz0Ri). Der türkische Hersteller preist das MPT-76 genannte Gewehr als „effektiv wie das G3, verlässlich wie das AK-47 und praktisch wie das M-16“ an (siehe goo.gl/W7v2kZ). Ein teurer Mix: Mit einem Stückpreis von 1200 US-Dollar wäre die Flinte doppelt so teuer wie das aktuelle G36 der Bundeswehr. 600.000 Stück will die türkische Armee anschaffen.

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