Horst Seehofer und seine CSU werben auch auf Russisch für ihre Politik.
Horst Seehofer und seine CSU werben auch auf Russisch für ihre Politik.

Horst Seehofer und seine CSU werben auch auf Russisch für ihre Politik.

Peter Kneffel

Horst Seehofer und seine CSU werben auch auf Russisch für ihre Politik.

Neuland. Zu den vielen offenen Angriffsflächen des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gehört seine beständige die deutsche Außenpolitik konterkarierende Vorliebe für Kreml-Chef Putin. Als pünktlich zu Seehofers jüngstem Moskau-Tripp bei Facebook CSU-Anzeigen in russischer Sprache auftauchten, platzte der Chefin der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, der Kragen. Denn die Anzeigen wurden nur denen angezeigt, die Facebook als Fans des russischen Staatspropaganda-Kanals „RT“ erkannte. „Die CSU weiß selbst – und weist ihre Stammklientel im aktuellen Bayernkurier in einem dreiseitigen Artikel darauf hin –, dass Russia Today das Propaganda-Sturmgeschütz Putins ist und gezielt Desinformationskampagnen fährt und Lügengeschichten verbreitet, um den Westen politisch zu destabilisieren“, wetterte Schulze (siehe hier: goo.gl/K29VZZ).

Die „Zeit“ vermerkte zur Wahlkampfstrategie der CSU ebenfalls, RT sei kein gewöhnlicher Nachrichtensender: „Zwischen echte Nachrichten mit klarer Agenda mischen sich Gerüchte und Verschwörungstheorien. Es ist die Welt, wie Wladimir Putin sie zeigen möchte. (…) Wer RT verfolgt, ist potenzieller CSU-Wähler. Glaubt offenbar die CSU.“ (siehe hier: goo.gl/U8zuzc ). RT ist eher der Heimatsender der AfD. Deren Spitzenpersonal gehört zu den Interview-Stammgästen des Senders, der auch Pegida-Demonstrationen live überträgt. Ein Netzwerk „Russlanddeutsche für die AfD NRW“ bietet das völkisch-national gefärbte Parteiprogramm dieser besorgten Bürger gleich komplett auf Russisch an (siehe hier: goo.gl/k10UpM).

Richtig schlau findet Dietmar Schulmeister die CSU-Werbung nicht: „Die Russlanddeutschen gucken nicht RT. Wenn sie russisches Fernsehen schauen, dann die klassischen Staatssender“, so der NRW-Vorsitzende der Landsmannschaft der Russlanddeutschen (750.000 Menschen in NRW) zu unserer Zeitung, und: „Auf Russisch werben Parteien schon lange, nicht nur die CSU.“ Die NRW-CDU verteilte zur Landtwagswahl 2005 Flyer auf Russisch, die NRW-SPD zur Kommunalwahl 2009 (siehe hier: goo.gl/KbHtkl).

2017 wirbt die NRW-CDU auf Deutsch um Russlanddeutsche, etwas versteckt im Wahlprogramm auf Seite 100: „Schließlich wollen wir die bestehende Diskriminierung von Spätaussiedlern bei der Rentenberechnung nicht länger tatenlos hinnehmen, sondern beim Bundesgesetzgeber auf eine gerechte und ausreichende Besserstellung heutiger und künftiger deutscher Rentenbezieher aus Osteuropa drängen.“ (siehe PDF hier: goo.gl/iv1UHy) Außerhalb der Zielgruppe macht die CDU dafür mal lieber keine Reklame.

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