Neuland. „First Draft“ in etwa „erster Entwurf“, Skizze, Konzept oder Ausarbeitung – also nicht unbedingt das, was man zum Druck freigibt. Doch genau so nennt sich ein Netzwerk von Medien, Technologieunternehmen und Organisationen, das sich gegenseitig bei Recherche und Verifikation von Nachrichten unterstützen will, vor allem in den sozialen Medien und Netzwerken. An diesem 2015 gegründeten Faktencheck-Netzwerk beteiligt sich nun auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa). „Verlässliche Nachrichten sind seit jeher der Kern der Nachrichtenagentur dpa. Deswegen unterstützen wir das Bündnis First Draft Coalition", so Roland Freund, Vize-Chefredakteur der dpa.

Das Netzwerk (im Internet: de.firstdraftnews.com)sei ein wichtiger Baustein im Einsatz für verifizierte Informationen und gegen Fake News, Gerüchte und Propaganda. „Von der Kooperation vieler internationaler Partner profitieren alle, die für Fakten, journalistische Recherche und überprüfte Informationen stehen“, so Freund weiter. Das gilt auch für die internationale Berichterstattung unserer Zeitung, deren wichtigste Stütze die dpa ist. Die größte deutsche Agentur befindet sich im ausschließlichen Besitz von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, Verlegern sowie Rundfunkanstalten und –gesellschaften (insgesamt 182 Gesellschafter mit maximal 1,5 Prozent Anteilen, um die Unabhängigkeit zu garantieren).

Allerdings ist dpa in der „First Draft Coalition“ nur einer von 40 neuen Partnern. Darunter sind weitere Agenturen wie Associated Press, Reuters, AFP und Bloomberg, Sendeanstalten wie BBC, NBC, und ABC News, Zeitungs-Dienste wie der Guardian und Zeit online, aber auch Aljazeera und Organisationen wie Amnesty International, Twitter, Google und Facebook – da darf man gespannt sein. Die Absichtsbekundung jedenfalls ist, in einem virtuellen Newsroom im Netz auftauchende Geschichten zu verifizieren oder falsifizieren. Das Rechercheergebnis soll dann den Partnern zur Verfügung gestellt und auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden, teilt dpa mit.

Dies wird die Fabrikanten von Falsch-Nachrichten kaum abschrecken, sie in den seriösen Medien jedoch schneller enttarnen, so wie jüngst den syrischen UN-Vertreter Bashar Jaafari, der sich über angebliche Fake-News der UN beschwerte und ein Foto zeigte, was die syrische Armee angeblich in Aleppo tut: Auf dem Foto kniete ein Soldaten vor einem Lastwagen, damit eine alte Frau herunter steigen konnte. Blöd daran: Das Bild stammte aus dem Irak (siehe goo.gl/EIsjVO).

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer