Kellyanne Conway
Die Beraterin von US-Präsident Trump, Kellyanne Conway, benutzte das Wort "Alternative Fakten" für Lüge und das Netz reagierte sofort mit Spott und Häme.

Die Beraterin von US-Präsident Trump, Kellyanne Conway, benutzte das Wort "Alternative Fakten" für Lüge und das Netz reagierte sofort mit Spott und Häme.

Andrew Harnik

Die Beraterin von US-Präsident Trump, Kellyanne Conway, benutzte das Wort "Alternative Fakten" für Lüge und das Netz reagierte sofort mit Spott und Häme.

Neuland. Wurden früher in Ost-Berlin, Bukarest und Moskau Erntezahlen, Produktionsrekorde oder Wahlergebnisse verkündet, wusste jeder, dass diese Zahlen frisiert waren und nicht annähernd der Wahrheit entsprachen. Darüber ließ sich bei uns im Westen herzlich lachen, weil es unter der Beobachtung einer freien Presse undenkbar war. Natürlich haben auch westliche Regierungssprecher immer schon die Fakten gern so interpretiert, dass die Regierung in ihrem Licht besonders günstig aussah.

Aber dass der Pressesprecher des Weißen Hauses sich vor die versammelten Hauptstadt-Journalisten stellt, um sie erst zu beschimpfen und dann so dreist zu belügen, dass die Lügen nicht einmal eine Stunde lang glaubwürdig sind – das ist neu; zumindest in der Unverfrorenheit, in der Sean Spicer es gleich bei seinem ersten Auftritt am vergangenen Samstag tat (Original-Video des Weißen Haus auf Englisch ab 1.33.30: goo.gl/2rcVpt).

War schon die Behauptung anhand zahlreicher Foto-Belege vollkommen unhaltbar, es seien bei der Vereidigung von Donald Trump mehr Menschen anwesend gewesen als je zuvor bei einer Inauguration, schob Sean Spicer dazu auch noch drei Falschbehauptungen nach: Die Bilder erweckten deshalb einen Eindruck der Leere, weil erstmals weiße Abdeckplanen zum Schutz des Rasens auf der Mall verwendet worden seien. Fotos belegen: Bereits bei Obamas zweiter Vereidigung 2013 waren solche Planen im Einsatz. Weiter behauptete Spicer, die Zahlen der Washingtoner Verkehrsbetriebe belegten, dass bei Trumps Vereidigung mehr Menschen unterwegs gewesen seien als bei Obama.

Auch diese Behauptung war frei erfunden. Die von Metro/WMATA am 20. Januar bei Twitter veröffentlichten Zahlen belegen, dass bis kurz vor der Zeremonie nicht wie von Spicer behauptet 420.000, sondern lediglich 193.000 die öffentlichen Verkehrssysteme nutzten. Und auch die offiziellen TV-Einschaltquoten belegten das Gegenteil von Spicers Behauptung, es hätten mehr Menschen bei Trump als bei Obama vor dem Fernseher gesessen. Der Bayerische Rundfunk hat Spicers offenkundige Lügen übersichtlich zusammen gestellt (Link hier: goo.gl/WAM8oD).

Trumps Beraterin Kellyanne Conway setzte dem Ganzen die Krone auf, in dem sie Spicers Desinformationen bei MSNBC „alternative Fakten“ (Video: goo.gl/c8D69h) nannte. Wir halten fest: „Alternative Fakten“ sind das neue Trump-Wort für Lügen. Und Lügen bleiben Lügen.

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