Willy Wimmer
Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer hat RT deutsch ein Interview zur NRW-Wahl gegeben.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer hat RT deutsch ein Interview zur NRW-Wahl gegeben.

Strücken, Lothar

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer hat RT deutsch ein Interview zur NRW-Wahl gegeben.

Neuland. Die älteren unter den Leserinnen und Lesern werden sich noch an Willy Wimmer erinnern, einen Ex-Politiker mit größerem Sendungsbewusstsein als geistigen Gaben, der drei Jahrzehnte am Niederrhein als CDU-Bundestagsabgeordneter von Wahlkreis zu Wahlkreis hüpfte, bis ihn am Ende (2009) nur noch sein struppiger Hund „Pepper“ für eine große Nummer hielt. In einer anderen Welt ist Wimmer inzwischen wieder da: Den Kanälen der hybriden russischen Kriegsführung gegen den Westen und der rechtspopulistischen Filterblase wie RT, Sputnik, Epoch-Times oder Contra-Magazin dient Wimmer sich als „Experte“ an. So offenbarte das CDU-Mitglied in einem RT-Interview einen Tag vor der NRW-Wahl vor den gut gefüllten Schnaps-Regalen einer Bar, dass es der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel gar nicht recht sei, wenn ihr Bundes-Vize Armin Laschet die Wahl gewinne (siehe goo.gl/uVNZgH , ab Minute 4:14).

Eine der interessantesten Fragen in der Fake-News Diskussion, in der Vieles durcheinander geht, ist, welche Wirkung es auf Dauer für die Rechtspopulisten hat, dass Typen wie Wimmer, AfD-Mitglieder und andere Rechtspopulisten ganz offen als Unterstützer des russischen Desinformationskriegs die EU und insbesondere Deutschland agieren. Am 10. Mai holte RT mit der Schlagzeile „Schlaraffenland ARD: Im Durchschnitt 9.000 Euro Vergütung pro Mitarbeiter“ (siehe: goo.gl/x065e1) zum Schlag gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus. Dabei berief RT sich auf eine Veröffentlichung des „Deutschen Arbeitgeberverbandes“ (siehe goo.gl/43BWAh).

Dazu muss man wissen: Dieser Rechtsaußen-Verein ist für die deutsche Wirtschaft ungefähr so relevant wie eine sorbische Volkstanzgruppe, würde aber wohl gern mit der „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“ (BDA) verwechselt. Er ließ auf seinen Seiten einen „Fachbuchautor und Analyst für Finanztitel und Börse“ eine schlichte Neid-Geschichte aufschreiben, die selbst bei ausgewiesenen ARD-Kritikern Kopfschütteln angesichts ihre argumentativen Schlichtheit auslösen musste. Was weder der angebliche Arbeitsgeberverband noch RT mitteilten: Der Autor des Beitrags, ein Spätaussiedler mit ostpreußischem Migrationshintergrund, gehört dem AfD-Fraktionsarbeitskreis Finanzen im Kölner Stadtrat an und tut sich regelmäßig mit der Vermengung von Haushalts- und Asylfragen hervor (AfD-Video siehe hier: goo.gl/Goijq5).

AfD-Politiker und CDU-Dissidenten als Lieferanten der russischen Staatspropaganda gegen Kanzlerin und öffentlich-rechtliche Medien – sich in diesem Stil als fünfte Kolonne Moskaus zu betätigen dürfte selbst einigen AfD-Wählern zuwider sein.

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