Christian Scherg ist Reputationsmanager. Er kann den Ruf im Netz wieder herstellen.
Christian Scherg ist Reputationsmanager. Er kann den Ruf im Netz wieder herstellen.

Christian Scherg ist Reputationsmanager. Er kann den Ruf im Netz wieder herstellen.

Sergej Lepke

Christian Scherg ist Reputationsmanager. Er kann den Ruf im Netz wieder herstellen.

Tina Turner und Lionell Messi, Eddie Murphy und Jennifer Lopez, Justin Bieber und Hulk Hogan: Sie und andere wurden per Twitter für tot erklärt. Kein Star wird ausgelassen, wenn es ums Sterben geht. Falschmeldungen beleben das Internet und lang ist die Liste der Lügen: Da werden Viren, Urteile und Spendenaktionen erfunden, Katzen in Flaschen gezüchtet und für die Opfer von Köln gab’s in der Klinik angeblich Verschwiegenheitserklärungen.

Die unbedarften Mitglieder der sozialen Netze verbreiten ungeprüft, was einem Check nicht standhielte. Ahnung ist hinderlich, wenn man unbelastet dabei sein will. Mussten sich einst Gerüchte Straßenzug um Straßenzug bewähren, schwappt heute per Eingabetaste das Gebräu aus Vermutungen, Aggression und Weinerlichkeit um die ganze Welt. Influencer mit tausenden Followern befeuern durch Nachrichten ihren Traffic. Selber denken ist obsolet, denn Wahrheit liegt in der Zahl der „Likes“: Wahr ist, was gefällt. Social Media manifestiert den Geist der Zeit und die Geistlosigkeit der Zeitgenossen.

Klischees verbreiten sich im Internet am besten, Behauptungen ohne Erklärungsbedarf werden Web-Selbstläufer. Obskur, aber eingängig, anrührend und mit dem Potenzial zur Verschwörungstheorie, das sind die Zutaten des Online-Erfolgs. Da werden Kinder von der Organ-Mafia entführt oder Knochenmarkspender gesucht, Tierquäler angeprangert und lebensrettende Medikamente zurückgehalten. Und angeblich könnten wir alle mit einem simplen Trick reich sein, ein Klick auf den entscheidenden Link genügt.

Keiner hält sich lange mit Wahrheitsgehalten auf, wenn nur der rasche Unterhaltungswert zählt. Wessen Geschichte als erste die Online-Kanäle besetzt, gewinnt. Monopolistische Kommunikation verstopft im Web aggressiv den Absatzmarkt für Meinungen. Kein Raum für Widerworte. Quantität ist Lautstärke: WER SCHREIT, HAT RECHT. Und die Wahrheit gehört der Mehrheit. Wer das als plebiszitäres Prinzip kritisiert, wird einfach überstimmt. Ein Glück, dass die Demokratie des Netzes noch Nischen einräumt: Hier finden sich Ernährungstipps und Katzenbilder. Zeit für ein neues Internet.

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