Virtuelle Lehrer für unterwegs
Es gibt Lernsoftware, die die Funktionen vom iPad-2-Display-Schutz Smart Cover nutzt und Fragen und Antworten beim Aufklappen nacheinander anzeigt. (Foto: Andrea Warnecke)

Es gibt Lernsoftware, die die Funktionen vom iPad-2-Display-Schutz Smart Cover nutzt und Fragen und Antworten beim Aufklappen nacheinander anzeigt. (Foto: Andrea Warnecke)

Langenscheidt-Apps mit der Hexe Huckla verbinden ein digitales Bilderbuch mit Animationen und Hörspielen zum Lernen von Fremdsprachen. (Foto: Langenscheidt)

BWL für Anfänger: Lern-Apps sind bei der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) fester Bestandteil des Kursprogramms. (Foto: SGD)

dpa, Bild 1 von 3

Es gibt Lernsoftware, die die Funktionen vom iPad-2-Display-Schutz Smart Cover nutzt und Fragen und Antworten beim Aufklappen nacheinander anzeigt. (Foto: Andrea Warnecke)

Berlin (dpa/tmn) - Smartphones und Tablet-Computer eröffnen dem Lernen neue Chancen. Ob es ums Erkennen von Vogelstimmen oder eine neue Sprache geht - kaum ein Wissensgebiet, für das es keine App gibt. Nicht jedes Programm aber taugt als virtueller Lehrer.

Allein 19 000 Apps verzeichnet die Kategorie Bildung im iTunes-Store, mehr als 13 000 sind es im Android-Market. Aber nicht jede App hält ihr Lernversprechen. So zeigte etwa ein Vergleich von Englisch-Vokabeltrainern durch die Stiftung Warentest erhebliche Schwächen bei Inhalten und Didaktik auf, also bei den Wegen zur Vermittlung des Lernstoffs.

Was aber zeichnet eine didaktisch gut aufbereitete Lern-App aus? «Wichtig sind Interaktivität, Multimedialität und Individualität», erklärt Michael Cordes, wissenschaftlicher Leiter des Teams Weiterbildung bei der Stiftung Warentest. Bei einer App, die ihren Stoff nur in einer Richtung vermittelt, ist der Lernerfolg geringer als bei einer Anwendung, die zum Beispiel Übungen anbietet und den Lernstoff abfragt. Dabei ist der gezielte Einsatz von Bild und Ton wichtig, aber auch die Möglichkeit, Lerneinheiten an eigene Bedürfnisse anzupassen. «Je mehr Einfluss ich da nehmen kann, desto gezielter kann ich das Programm verwenden», sagt der Erziehungswissenschaftler Cordes.

«Wichtig ist auch Abwechslung», sagt Cordes. Bei einigen getesteten Apps sei schnell Langeweile aufgekommen. Vor allem bei komplexeren Gegenständen sei es wichtig, dass die Übungen unterschiedlich gestaltet seien.

Bei der Vermittlung von IT-Themen sei ein problemorientierter Ansatz wichtig, sagt Christoph Sahner vom Videotrainingsanbieter Video2brain in Graz. «Die Darstellung von Workflows ist die besondere Stärke eines videoorientierten Lernens.» Von Video2brain gibt es zum Beispiel eine App fürs iPad - nicht nur für unterwegs, sondern auch für das Einüben einer neuen Software oder das Lernen einer Programmiersprache am Schreibtisch. So kann man sich das Video auf dem Tablet-Computer anschauen und die gezeigten Schritte gleich selbst ausprobieren, sagt Sahner. «Das Tablet ist hervorragend, weil es groß genug ist um auch Details in Videos zu zeigen und je nach Kontext auch andere Medien einzubeziehen.»

Auch die Fernschulen wie die Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) setzen Lern-Apps ein. «Eine gut gemachte App vermittelt ihr Wissen spielerisch und ist Teil des pädagogischen Gesamtkonzepts», erklärt der Leiter des SGD-Studienprogramms, Andreas Vollmer. Dazu gehören schriftliche Lehrmaterialien wie Studienhefte ebenso wie Podcasts, Seminare vor Ort, Kurse auf Webseiten und Betreuung durch Tutoren. «Die App soll den Teilnehmern einen didaktischen Mehrwert geben», erklärt Fachbereichsleiter Harald Stürmer. «So können sie ihren Stand überprüfen, etwa wenn sie mit der Bahn nach Hause fahren.»

Zuerst eingeführt wurden die SGD-Apps für den Lehrgang zum staatlich geprüften Betriebswirt. «Als nächste Lernanwendung haben wir uns das komplexe Thema der Solarthermie vorgenommen, für den Lehrgang zum Abschluss als Fachkraft für erneuerbare Energien», sagt Stürmer. «Da kommen zwei Trendthemen zusammen, regenerative Energien und mobiles Lernen.»

Wie man spezielle Funktionen mobiler Geräte fürs Lernen nutzt, demonstriert Evernote mit der Abfrage-App Peek und dem iPad-2-Display-Schutz Smart Cover. Diese in vier Teile zusammenlegbare Abdeckung kann auch Signale ans Tablet senden. Beim Aufdecken der Hülle ist es so möglich, dass eine Frage im unteren Viertel des Displays angezeigt wird - und die Antwort erst sichtbar wird, wenn man auch das nächste Viertel der Abdeckung aufklappt.

Wer kein Smart Cover sein Eigen nennt oder ein Gerät der ersten iPad-Generation besitzt, kann die Abdeckung auch mit der App Virtual Cover simulieren und sie Stück für Stück per Fingerstreich öffnen. «Doch die größte Stärke von Peek liegt darin, dass die Nutzer anhand der in Evernote gespeicherten Notizen selbst Tests zu beliebigen Inhalten erstellen können», erklärt Evernote-Manager Dmitry Stavisky.

Mobiles Lernen gibt es aber auch schon für die ganz Kleinen. Beim Langenscheidt-Verlag in München entwickelt Christian Noß als zuständiger Programmleiter Sprachlern-Apps für Kinder ab vier Jahren. «Wir holen die Kinder da ab, wo sie sich befinden», sagt Noß. Dabei steht der Spaß im Vordergrund, und ganz nebenbei wird ein wenig Englisch vermittelt.

Apps mit der Hexe Huckla verbinden zum Beispiel ein digitales Bilderbuch mit Animationen und einem englisch-deutschen Hörspiel. Die Kinder tippen auf Bilder und hören den jeweils dargestellten Begriff auf Deutsch und Englisch. «Auf den Text haben wir bewusst verzichtet», erklärt Noß. In fernerer Zukunft aber könne vielleicht auch die Spracherkennung beim mobilen Lernen zum Zuge kommen, wie sie jetzt beim neuen iPhone von Apple integriert ist. «Das ist eine sehr spannende Entwicklung.»

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