Berlin (dpa) - Bei der Milliardenstrafe gegen SAP geht es um das Verhalten der einstigen SAP-Tochter TomorrowNow, die Firmenkunden beim Einsatz von Computerprogrammen für die Betriebswirtschaft unterstützt hat.

Pikant: Die Anbieter dieser Software - PeopleSoft, JD Edwards und Siebel, gelangten von 2004 bis 2006 allesamt in den Besitz des SAP-Konkurrenten Oracle.

Für ihre Dienstleistungen nutzte TomorrowNow auch Software und Informationen von Oracle, die auf passwortgeschützten Webseiten bereitgestellt wurden - «in vielen Fällen unter Verwendung von vorgeschobenen Kundendaten für den Login», wie es in der Klageschrift von Oracle heißt. Über diesen «systematischen illegalen Zugang» zu den Support-Systemen von Oracle habe SAP «tausende von proprietären, urheberrechtlich geschützten Software-Produkten und anderes vertrauliches Material gestohlen» und so eine «illegale Bibliothek von Oracle-Software» erstellt.

Die Downloads von SAP hätten das übliche Ausmaß der Nutzung durch die Oracle-Kunden erheblich überstiegen, erklärte der amerikanische Software-Konzern. So habe SAP mit den Login-Daten eines Kunden vier Tage in Folge durchschnittlich 1800 Objekte pro Tag heruntergeladen, während dieser Kunde sonst nur 20 Objekte in einem Monat bezogen habe.

SAP hat das Fehlverhalten bei TomorrowNow zugegeben und sich entschuldigt. Ein SAP-Sprecher sagte am Mittwoch, als Drittanbieter für die Software-Wartung sei TomorrowNow befugt gewesen, sich bestimmte Daten herunterzuladen. Es sei aber zu viel heruntergeladen worden. So ging es in dem Rechtsstreit zuletzt allein um die Höhe der Schadenssumme und die Festlegung des Schadenersatzes.

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