Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die durch Wikileaks enthüllten US-Berichte über deutsche Politiker als Party-Klatsch abgetan.

Nach einem Treffen mit Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt sagte Merkel am Mittwoch in Berlin auf die Frage, ob die Wikileaks-Informationen dabei eine Rolle gespielt hätten: «Wir haben nicht direkt darüber gesprochen (...). Ein großer Teil dessen, was wir in Deutschland über uns erfahren haben, ist Bestandteil jeder besseren Party, und insofern hat uns das jetzt nicht so aufgeregt.»

Merkel war von US-Diplomaten als risikoscheu bezeichnet worden. Bisher war sie auf die Enthüllungen nicht näher eingegangen. Dem Vernehmen nach hält die Bundesregierung aber die Veröffentlichung hunderttausender geheimer US-Regierungsdepeschen durch die Internet- Plattform Wikileaks für andere Länder etwa wie im Nahen Osten für kritisch. Dort seien sensibelste Interessen berührt. Die US-Regierung ist seit der Veröffentlichung unter Druck.

Reinfeldt sagte auf die Frage, ob Schweden nun die Auslieferung des am Dienstag in London festgenommenen Wikileaks-Gründers Julian Assange fordere oder Einwände gegen eine Auslieferung an die USA hätte: «Das ist jetzt eine Sache des Justizsystems, sich dieser Dinge anzunehmen, und nicht des politischen Systems.» Assange wurde in London aufgrund eines schwedischen Haftbefehls wegen Vergewaltigungsverdachts festgenommen. Dabei soll es um Sex ohne Kondom gegen den Willen zweier Frauen gehen.

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