Oracle-Chef Larry Ellison
Oracle-Chef Larry Ellison ist für seine starken Worte bekannt.

Oracle-Chef Larry Ellison ist für seine starken Worte bekannt.

dpa

Oracle-Chef Larry Ellison ist für seine starken Worte bekannt.

Berlin (dpa) - Larry Ellison nimmt kein Blatt vor den Mund. Seit Jahrzehnten gilt der Gründer des Datenbank-Unternehmens Oracle als Enfant Terrible der IT-Branche. Einst fuhr er schweres Geschütz gegen Microsoft auf, dann richtete er seine beißende Rhetorik gegen IBM.

Zuletzt geriet der nordbadische Software-Gigant SAP verstärkt ins Radar von Ellison. Mit seinem Lieblingsfeind, dem SAP-Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner, lieferte er sich heftige Wortgefechte. Dabei könnten beide die besten Segelfreunde sein. Auf der Oracle-Konferenz OpenWorld in San Francisco präsentierte Ellison Ende September nicht nur Modelle seiner Boote, sondern auch die im Februar errungene Trophäe vom America Cup - an einem Renntag war Ellison selbst mit an Bord seiner Yacht «USA 17».

«Das zeigt schon das Ego dieses Mannes», sagt Christian Hestermann, der als Experte für betriebswirtschaftliche Software (ERP) beim Marktforschungsinstitut Gartner in San Francisco mit dabei war. «Larry Ellison ist einfach eine Klasse für sich. Hasso Plattner ist auch Segler, macht das aber ruhiger.»

Ausgerechnet in der trockenen Welt der Bits und Bytes zeigen die Spitzenmanager der Branche schauspielerische Qualitäten. So empfing Ellison Anfang September den bei Hewlett-Packard wegen einer Liebschaft geschassten Spitzenmanager Mark Hurd demonstrativ mit offenen Armen. «Das Verhältnis der Führungspersönlichkeiten in der IT-Branche trägt manchmal Züge einer großen Soap Opera», sagt Hestermann. «Da spielt der Kampf ums persönliche Image eine immense Rolle.» Auch den Prozess gegen SAP nutzte Ellison als eine Bühne, um den Konkurrenten aus dem fernen Walldorf vorzuführen.

Das Kämpfen lernte Larry Ellison schon als Kind. Geboren am 17. August 1944 in New York, wurde er noch als Säugling von seiner 19-jährigen Mutter zu Verwandten nach Chicago geschickt. Die Munzinger-Biografie schreibt über ihn: «E. wuchs in Chicago in recht bescheidenen Verhältnissen auf, stellte aber früh ein lautstarkes Selbstbewusstsein zur Schau.»

Ein naturwissenschaftliches Studium brach Ellison nach dem Tod seiner Adoptivmutter vorzeitig ab. Er ging nach Kalifornien und arbeitete dort als Programmierer. Im Silicon Valley war er von 1967 bis 1977 für mehrere Firmen tätig, zuletzt entwickelte er die Software für eine Datenbank des US-Geheimdienstes CIA. Deren Name wurde zum Programm: «Oracle».

Zwei Jahre nach dem Start der eigenen Firma, zusammen mit Bob Miner und Ed Oates, kam der Durchbruch mit einer ersten Software für eine relationale Datenbank: Die Anordnung der Daten in Tabellen ermöglichte es, flexible Beziehungen («Relationen») zwischen deren Feldern herzustellen und auszuwerten. Inzwischen steht das Oracle- Imperium für einen Jahresumsatz von rund 27 Milliarden Dollar (19 Mrd Euro) und einem Gewinn von unterm Strich mehr als 6 Milliarden Dollar.

Mit seinem Milliardenvermögen rangiert Ellison auch persönlich regelmäßig in der «Forbes»-Liste der reichsten Amerikaner. Ein vielzitiertes Buch des Autors Mike Wilson trägt den Titel: «Der Unterschied zwischen Gott und Larry Ellison - Gott glaubt nicht, Larry Ellison zu sein».

Mit der Übernahme von Sun Microsystems - gegen die ebenfalls interessierten Konkurrenten HP und IBM - ist Oracle noch stärker geworden - und nun auch im Hardware-Geschäft mit Firmenkunden dabei. Ellison, der eng mit Apple-Chef Steve Jobs befreundet ist, wird ein gutes Gespür für Zukunfttrends nachgesagt. Das zeigt sich nicht nur bei der Bedeutung der sogenannten relationalen Datenbanken für die IT-Abläufe im Unternehmen, sondern auch bei der Nutzung von Software im Internet.

Ein Großteil des Oracle-Wachstums beruht ausgerechnet auf dem Erfolg von SAP im Geschäft mit Software für eine möglichst effiziente Steuerung betriebswirtschaftlicher Abläufe. Hestermann sagt: «Das Datenbankgeschäft ist nach wie vor die große Cash Cow von Oracle und die ist zu großen Teilen an den Erfolg von SAP gekoppelt.»

Warum haben sich dann die Wege zwischen Oracle und SAP getrennt? «Wahrscheinlich fiel das mit dem Entschluss von Oracle zusammen, 2005 selbst verstärkt in das Applikationsgeschäft einzusteigen», antwortet der Gartner-Experte. Oracle ist jetzt selbst im ERP-Geschäft sowie in der Software fürs «Customer Relation Management» (CRM) aktiv und schmiedet kombinierte Pakete aus der Sun-Software mit eigener Software.

Wegen des hohen Aufwands bei einem Wechsel des Systems muss SAP aber kaum um seine Marktführung bangen. «Eine Gefahr für die aktuelle Position der SAP im Kerngeschäft sehe ich überhaupt nicht.»

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