iPad-App
Der Chefredakteur der BILD-Zeitung, Kai Diekmann, stellt das neue iPad-App der BILD-Zeitung vor.

Der Chefredakteur der BILD-Zeitung, Kai Diekmann, stellt das neue iPad-App der BILD-Zeitung vor.

dpa

Der Chefredakteur der BILD-Zeitung, Kai Diekmann, stellt das neue iPad-App der BILD-Zeitung vor.

Berlin (dpa) - Schneetreiben auf dem iPad, eine drehbare Halswirbelsäule als 3D-Grafik und beim Artikel über den Todestag von John Lennon erklingt sein bekanntester Song «Imagine». Bei der neuen «Bild»-Anwendung für den Tablet Computer von Apple wachsen Journalismus, Spielanwendungen und Animationen zusammen.

Auch bei der Preisgestaltung stößt der Medienkonzern Axel Springer in neue Dimensionen vor. Eine Ausgabe von «Bild HD» kostet 0,79 Euro und ist damit teurer als eine gedruckte «Bild»-Zeitung. Ein Jahresabo kommt auf 129,99 Euro. Der Zugang zur kostenlosen Website «bild.de» vom iPad aus wurde gesperrt. Ist das die Zukunft der Medien?

Für das erste Jahr mit kostenpflichtigen journalistischen Online- Angeboten zieht der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner jedenfalls eine positive Zwischenbilanz. Innerhalb eines Jahres hat das Unternehmen mehr als 800 000 Apps für mobile Endgeräte verbreitet, davon wurden rund 540 000 verkauft. Am erfolgreichsten ist die App der «Bild»-Zeitung, die 400 000 Mal bezahlt wurde. Die anderen Angebote - «Welt mobil», «Hörzu» oder «B.Z.» - waren deutlich weniger gefragt. Döpfner betonte: «Die aktuellen Zwischenergebnisse sind äußerst ermutigend.» Allerdings seien die Umsätze im vergleich zu den gedruckten Titeln noch gering. «Print lebt und Print verdient gutes Geld.» Das Geschäft sei gesünder und langlebiger als gedacht.

Acht Monate lang hatten Redaktion, Technik und Agenturen die neue «Bild»-Anwendung entwickelt und noch bis zum frühen Morgen des Vorstellungstages daran gearbeitet. Bei «Bild HD» werden auch die Regionalausgaben mitgeliefert. Insgesamt sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. So muss der Nutzer bei einem Artikel über eine Wüste erst mit den Fingern den «Sand» wegreiben, bevor er den Text lesen kann. Blättert er auf ein Bild über die Festnahme des Wikileaks- Gründers, senkt sich automatisch die Scheibe einer dunklen Limousine und gibt den Blick auf Julian Assange frei. Mit einer Superlupe können auch kleinste Texte gelesen werden. Ein Bild des Künstlers Günther Uecker kann mit den Fingern selbst gemalt werden.

Ungewöhnlich selbstironisch und mit einem Augenzwinkern versehen verlief die Präsentation am Dienstagabend im 19. Stock des Berliner Springer-Hochhauses. In einem Kurzfilm hieß es, das iPad sei der Zeitung in jeder Hinsicht überlegen. Dann erschlägt ein Mann eine Fliege damit und zerstört dabei das elektronische Gerät. In einem anderen Werbespot taucht «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann auf.

Döpfner meinte: «Noch ist es zu früh für eine abschließende Bewertung, ob und wie sich die Zahlungsbereitschaft für journalistische Angebote in der digitalen Welt langfristig entwickelt.» Das Unternehmen werde aber mit viel Experimentierfreude, Lust an Innovationen und Mut weitere Bezahlangebote entwickeln - und damit vom rasch wachsenden Markt mit mobilen Geräten profitieren.

Überraschend bekam der Abend eine politische Dimension: Döpfner hatte nach einem Treffen die WDR-Intendantin Monika Piel mitgebracht - vor dem Hintergrund des Streits um kostenlose Onlineangebote von ARD und ZDF war das nicht ohne Signalwirkung. Auch Piel, die im Januar ARD-Vorsitzende wird, setzte ein Zeichen. Sie sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie sei generell für journalistische Bezahlinhalte auf mobilen Endgeräten. «Wenn alle kommerziellen Apps kostenpflichtig wären, würde ich mich in der ARD dafür einsetzen, dass keine kostenlosen mobilen Anwendungen angeboten werden.»

Auf die Frage, ob dies auch für die geplante, kostenlose und besonders heftig umstrittene «tagesschau»-App gelte, erklärte Piel: «Wenn alle journalistischen Apps kostenpflichtig wären, würde ich mich dafür einsetzen.» Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn viele Verlage werfen nach wie vor kostenlose Apps auf den Markt. Wie das zu stoppen sei, müssten diese unter sich regeln, meinte Piel.

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