CeBIT 2012
CeBIT 2012: Vom 6. bis zum 10. März 2012 stellen dort mehr als 4200 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen aus. Foto: Friso Gentsch

CeBIT 2012: Vom 6. bis zum 10. März 2012 stellen dort mehr als 4200 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen aus. Foto: Friso Gentsch

dpa

CeBIT 2012: Vom 6. bis zum 10. März 2012 stellen dort mehr als 4200 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen aus. Foto: Friso Gentsch

Hannover (dpa) - Die IT-Industrie trumpft auf der weltgrößten Computermesse CeBIT als Konjunkturlokomotive auf. Neue Dienste wie Cloud Computing und De-Mail sollen das Wachstum ankurbeln. In Deutschland wird die Branche in diesem Jahr erstmals die Umsatzmarke von 150 Milliarden Euro durchbrechen.

Die Euro-Krise drückt das plus in Deutschland zwar auf magere 1,6 Prozent - jedoch wird das Geschäft mit Computern, Smartphones und Dienstleistungen damit noch wichtiger als Stütze der europäischen Wirtschaft. Zugleich kann sich die Branche auch auf der CeBIT den Problem mit IT-Sicherheit und Datenschutz nicht entziehen.

Ein riesiger Wachstumstreiber ist das Cloud Computing, bei dem Daten, Software oder auch Rechenleistung direkt aus dem Netz bereitgestellt werden. Jedes Jahr dürften die Erlöse in dem Geschäft im Schnitt um 37 Prozent zulegen, lautet die Bitkom-Prognose. Aus 3,6 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr sollen damit 2015 bereits 14 Milliarden werden. «Wir wollen die Cloud für alle», betonte in Hannover Telekom-Chef René Obermann. Auch Privatanwender sollen von den neuen Diensten profitieren.

Was für die einen große Chancen bedeutet, wird andere in der deutschen Softwarebranche aber auf eine harte Probe stellen, warnte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. «Die Cloud führt dazu, dass bisherige Speziallösungen standardisiert über das Internet angeboten werden. Damit ist das Geschäftsmodell von drei Vierteln der deutschen Anbieter bedroht.»

Eine zentrale Voraussetzung für Cloud Computing ist IT-Sicherheit - und hier sind viele Unternehmen in Deutschland nicht auf der Höhe der Zeit. In einer Umfrage gab jedes dritte (33 Prozent) zu, dass hier Nachholbedarf bestehe. Ein Viertel sieht im Datenschutz eine Herausforderung.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) warf Online-Riesen wie Google und Facebook abermals vor, mit ihren Geschäftsgebaren das Vertrauen in die Branche zu untergraben. Die Verbraucher nutzten die Möglichkeiten des Internets nur, wenn sie Vertrauen hätten, betonte Aigner. Sie bekräftigte ihre Kritik an Google und Facebook. Die Anbieter von Geräten und Diensten hätten in Sachen Datenschutz eine Bringschuld. «Hier vermisse ich - nicht bei allen, aber bei manchem - die nötige Sensibilität. Wenn die Großen der Branche in punkto Datenschutzer Vorreiter wären, wäre das Signal an die gesamte Branche.» Das Leit-Motto der CeBIT in diesem Jahr ist «Managing Trust»

Die Deutsche Telekom stieg auf der CeBIT mit einem teilweise kostenlosen Angebot in den Wettbewerb um verschlüsselte E-Mails ein. Für Geschäftskunden startet das De-Mail-Angebot der Telekom am Dienstag. Für alle anderen geht es im Anschluss an eine kostenlose Testphase im September los. Ihren Privatkunden räumt die Telekom ein Freikontingent von drei De-Mails im Monat ein. Dies decke den Grundbedarf in den meisten Fällen ab, sagte Obermann. Jede weitere De-Mail kostet dann 39 Cent.

Microsoft wirbt auf der CeBIT um Software-Entwickler für sein nächstes Betriebssystem Windows 8, das im Herbst auf den Markt kommen soll. Über Windows 8 könnten Programme auf 231 unterschiedlichen Märkten in mehr als 100 Sprachen vertrieben werden, betonte Microsoft am Montag. Keine andere Plattform biete Entwicklern den Zugang zu so vielen Millionen Kunden. Windows 8 wird nicht nur auf PCs und Laptops laufen, sondern ist auch für die Nutzung auf den derzeit begehrten Tablets ausgelegt.

Wie jedes Jahr schlägt die Branche auf der CeBIT Alarm wegen des Fachkräftemangels: Immer mehr Informatiker-Jobs bleiben unbesetzt. Im Dezember gab es rund 30 500 offene Stellen, nach 21 000 nur ein Jahr zuvor, berichtete der Branchenverband VDI. Vor allem große Unternehmen gehen als Reaktion ins Ausland. «Dem IT-Standort Deutschland droht ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, wenn speziell bei Großunternehmen der Trend zur Verlagerung einzelner Bereiche ins Ausland einsetzt», warnte Dieter Westerkamp, stellvertretender Leiter Technik und Wissenschaft im VDI.

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