Das soziale Netzwerk will Mails überflüssig machen, indem es sie mit Chats und elektronischen Kurzmitteilungen verknüpft.

wza_1500x954_774300.jpeg
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der Präsentation seiner Neuerungen.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der Präsentation seiner Neuerungen.

dpa

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der Präsentation seiner Neuerungen.

San Francisco/Düsseldorf. Nein, mit E-Mails hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kein Problem - aber die Nutzer seines Netzwerks haben eins. Zumindest die jüngeren unter ihnen. Sie fänden E-Mails zu langsam und zu förmlich. Das erzählte der Internet-Milliardär, selbst erst 26 Jahre alt, zu Beginn der Pressekonferenz, bei der er die jüngsten Neuerungen bei Facebook vorstellte.

Diese könnten E-Mails tatsächlich bald überflüssig machen - weil sie auf die technische Hülle, also die Form der elektronischen Post, verzichten und nur noch Inhalte transportieren. Betreffzeile oder eine E-Mail-Adresse braucht es dann nicht mehr. Universal-Postfach nennt Zuckerberg die Neuerung, die elektronische Post, SMS und Chat zusammenfasst. Eine Oberfläche also für unterschiedliche Arten digitaler Kommunikation.

Nutzer können sich eine eigene Facebook-Adresse für Mails anlegen

Bislang können Mitglieder des Netzwerks nur innerhalb der Plattform kommunizieren - über den internen Mail-Dienst sowie per Chat. Künftig sollen auch Nachrichten von außerhalb einlaufen können, etwa SMS und E-Mails. Um das nutzen zu können, erhalten Mitglieder auf Wunsch eine Adresse mit der Endung @facebook.com.

Mit der klassischen elektronischen Post lässt sich das System kaum vergleichen. Der Absender schreibt eine Nachricht an einen Empfänger. Dieser hat festgelegt, wie er sie von diesem Absender empfangen will - per E-Mail, Kurzmitteilung oder SMS. Die gesamte Kommunikation wird von Facebook gespeichert.

Ob sich das Modell etwa in der Geschäftswelt durchsetzen wird, ist fraglich. Zuckerberg dürfte das egal sein, weil die meisten der mehr als 500 Millionen Facebook-Nutzer Schüler und Studenten sind, die mit sozialen Netzwerken und Instant Messaging groß geworden sind. Sie kommunizieren auf der Plattform direkt und informell.

Die Offensive Zuckerbergs dürfte vor allem auf den Rivalen Google zielen

Die Facebook-Offensive dürfte in erster Linie auf den Rivalen Google zielen, der ebenfalls schon versucht hat, die E-Mail zu beerdigen, indem er sie stark vereinfacht hatte. Der Suchmaschinen-Primus hatte 2009 angekündigt, mit einem System namens Wave die Online-Kommunikation zu revolutionieren. Unterschiedliche Kanäle sollten in einem Fenster zusammenfließen. Den Nutzern war das jedoch zu kompliziert. Im August gab Google auf.

Nutzer müssen noch stärker auf ihre persönlichen Daten achten

In den nächsten Monaten will Zuckerberg das System in den USA einführen. Wann der Start in Deutschland folgt, ist noch nicht klar. Klar ist hingegen, dass die Nutzer eine noch größere Verantwortung haben, ihren Rechner vor Angriffen zu schützen. Zumindest, wenn sie Wert auf Privatsphäre legen.

Vorsicht ist auch bei Facebook geboten. Das Unternehmen setzt darauf, möglichst viel über seine Nutzer zu wissen, um ihnen personalisierte Werbung zu präsentieren. Firmenchef Zuckerberg sicherte aber zu, dass dafür der Inhalt der Konversationen nicht ausgewertet werde.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer