Digitale Nomaden haben kein Büro mehr, sondern nur noch einen Laptop. Sie arbeiten immer und überall.

Arbeitswelt
Luigi Viggiano (re.) war heute schon in München und Zürich – wenn auch nur virtuell.

Luigi Viggiano (re.) war heute schon in München und Zürich – wenn auch nur virtuell.

Bernd Schaller

Luigi Viggiano (re.) war heute schon in München und Zürich – wenn auch nur virtuell.

Düsseldorf. Die digitale Revolution findet in einem Garagenhof aus den Fünfzigern in Düsseldorf-Bilk statt. Quer durch, noch hinter einem Hersteller für Wasserzähler und einer TV-Produktionsfirma führt eine Tür mitten in das Zeitalter des Internet.

Die „Garage Bilk“ ist ein so genannter „Co-Working-Space“. Dort treffen sich Menschen, die zum Arbeiten nicht mehr brauchen als einen Laptop. Digitale Nomaden, die ihren Job überall erledigen können, weil sie ihre Kunden per E-mail und Internet-Telefon kontaktieren. Die bei kniffligen Aufgaben in sozialen Netzwerken um Rat fragen. Nur eines wollen sie nicht: Dabei allein Zuhause sitzen.

„Die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit gibt es nicht mehr.“

Martin Kretschmer entwickelt Webseiten für Unternehmen.

In der „Garage Bilk“ stehen 16 Schreibtischplätze, drahtloser Internetzugang und eine Kaffeemaschine bereit. Zwischen 9 und 23 Uhr kann dort jeder arbeiten, der einen Laptop mitbringt. Wer wissen will, wie sich die Arbeitswelt durch das Netz verändert hat, sollte dort hingehen.

Eine Lektion wird schnell deutlich: Wer kein Büro und keine Arbeitszeiten mehr hat, hat auch keinen Feierabend. „Die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit gibt es nicht mehr, das geht alles ineinander über“, sagt Martin Kretschmer. Der Projektmanager baut beruflich Webseiten für Unternehmen. Seine Firma ist direkt neben der Co-Working-Halle. „Manchmal brauche ich einen Tapetenwechsel und komme hierher“, sagt er. Sein Büro ist im Prinzip da, wo sein Laptop steht.

Im Internet gibt es keine Entfernungen

Ihm gegenüber sitzt Oliver Fleißner. Der 25-Jährige hat vor einem halben Jahr eine Unternehmensberatung für Baufirmen gegründet. Wenn sein Kunde einen neuen Bagger braucht, sucht ihm Fleißner das beste Angebot raus. „Ich muss international Preise vergleichen – das geht nur mit Hilfe des Internets.“ Und ohne? „Müsste ich sehr viel Auto fahren und noch mehr telefonieren.“

Co-Working gilt als Reaktion auf die moderne Arbeitswelt. So genannte „Co-Working-Spaces“ sind Anlaufstellen für einsame Web-Arbeiter, die weder ein festes Büro, noch Kollegen haben. In zahlreichen Metropolen, allen voran New York, Paris und Berlin, gibt es entsprechende Räume.

Die „Garage Bilk“ in Düsseldorf (Tagesticket: 15 Euro) gibt es seit September 2010. Seitdem sind unter den Co-Workern zahlreiche Kooperationen entstanden. Freitags etwa finden regelmäßig Gründertreffen statt.
garagebilk.de

Das repräsentative Büro, das den Kunden von der eigenen Seriosität und Kompetenz überzeugen soll – bei modernen Web-Arbeitern wird das durch die eigene Internetseite und Profile in sozialen Netzwerken abgelöst. So wie bei dem Italiener Luigi Viggiano. Der selbstständige Software-Entwickler lebt in Düsseldorf, arbeitet aber für Kunden in der Schweiz und in München. „Ich konferiere mit ihnen über das Internet und fahre nur manchmal hin.“

Irgendwann muss man sich doch mal leibhaftig gegenüber stehen

„Früher hatte man eine tolle Idee, kannte aber niemanden, mit dem man sie zusammen umsetzen kann“, sagt Tanja Wolf.

Die 30-Jährige berät Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit – ein Spezialgebiet, in dem Ansprechpartner fast nur über das Netz zu finden sind. Und doch findet auch sie, dass Kontakte nicht nur im virtuellen Raum gepflegt werden können. Mit einem verschwörerischen Augenzwinkern verrät sie sogar: „Es gibt einen neuen Trend zum Telefonieren.“

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