3-D-Spiel '1378 (km)'
Das Computerspiel «1378(km)» bietet als 3D-Online-Multiplayer-Game eine interaktive Zeitreise in das Jahr 1976 an unterschiedliche innerdeutsche Grenzabschnitte.

Das Computerspiel «1378(km)» bietet als 3D-Online-Multiplayer-Game eine interaktive Zeitreise in das Jahr 1976 an unterschiedliche innerdeutsche Grenzabschnitte.

dpa

Das Computerspiel «1378(km)» bietet als 3D-Online-Multiplayer-Game eine interaktive Zeitreise in das Jahr 1976 an unterschiedliche innerdeutsche Grenzabschnitte.

Karlsruhe (dpa) - Die Karlsruher Hochschule für Gestaltung will am Freitag trotz Protesten das umstrittene Mauerschützen-Computerspiel im Internet bereitstellen. «Es ist an der Zeit, dass sich jeder ein Bild machen kann», sagte Sprecher Klaus Heid.

In dem Spiel «1378(km)», das wie ein Ego-Shooter funktioniert, können die Spieler sowohl in die Rolle eines Republikflüchtlings als auch in die eines Grenzsoldaten schlüpfen, der schießen und den unbewaffneten Flüchtling töten kann. Die erste öffentliche Präsentation am Tag der Deutschen Einheit hatte die Hochschule nach Protesten von Opferverbänden abgesagt.

«Wer das Spiel gesehen hat, kann die Kritik daran nicht verstehen», sagte Heid. Bisher werde vor allem von Menschen über das Projekt diskutiert, die es nicht kennten. Aus diesem Grund wies er auch Forderungen der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zurück, als Teilnehmer zur Podiumsdiskussion am Freitag eingeladen zu werden. «Sie können nur wenig zur Debatte beitragen, bevor sie das Spiel gesehen haben.» Auf dem Podium sitzen deshalb nur Mitarbeiter der Hochschule, darunter auch ihr Leiter Peter Sloterdijk.

Der UOKG-Bundesvorsitzende Rainer Wagner zeigte sich verärgert über die Absage. «Was ich in dem Trailer für das Spiel gesehen habe, genügt. Ich brauche ein Computerspiel, dessen Spielspaß darin besteht, unbewaffnete Zivilsten abzuknallen, nicht unbedingt zu spielen, um es zu kritisieren.» Das Projekt sei ein «Affront gegenüber den Angehörigen der Toten der Berliner Mauer». Sein Verband sei durchaus offen dafür, die deutsch-deutsche Geschichte auch als Computerspiel der jungen Generation nahe zu bringen. «Allerdings muss dies geschehen, ohne die Gefühle der Betroffenen in eklatanter Weise zu verletzen.»

Das Spiel hat ein 23 Jahre alter Student entwickelt, der damit das Thema der 1378 Kilometer langen Grenze quer durch Deutschland - den sogenannten Todesstreifen - aufgreifen wollte. Deshalb baute er auch zahlreiche Infotexte ein. Wahlloses Rumballern erlaubt das Spiel nicht. Wenn der Soldat mehr als dreimal abdrückt, wird er aus dem Spiel genommen und muss sich in einem Mauerschützenprozess verantworten.

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