New York/Berlin (dpa) - Google-Gründer Larry Page steigt mit dem Chefposten bei dem Internet-Konzern in die Riege der wichtigsten Unternehmenslenker der Welt auf. Er wird sich um viele Herausforderungen kümmern müssen:

- FACEBOOK: Das weltgrößte Online-Netzwerk ist vielleicht das größte Google-Problem. Mit bereits mehr als 550 Millionen Mitgliedern ist Facebook wie ein großer Magnet, der die Aufmerksamkeit und Zeit der Internet-Nutzer auf sich lenkt. Das heißt im Umkehrschluss auch: Weg von Google. Und das ist keine Kleinigkeit: Das meiste Geld verdient Google immer noch mit Werbeanzeigen im Umfeld der Internet-Suche. Das Platzierungssystem für diese Werbung funktioniert erst, wenn viele Nutzer dabei sind. Google-Konkurrenten wie Microsoft und Yahoo mussten das an eigenem Leib erfahren. Und Facebook plant nun zusammen mit Microsoft einen direkten Angriff auf den Kern von Google: Sie wollen statt der Google-Formel eine «soziale Suche» etablieren, bei der nicht die Verlinkung im Netz entscheidend ist, sondern vor allem die Erfahrungen der Freunde im Vordergrund stehen. Außerdem steht Google im Wettbewerb mit Facebook um die besten Programmiertalente der Branche.

- MARKTMACHT: Google dominiert die Internet-Suche. Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Das ruft Wettbewerber und Kartellwächter auf den Plan. Nach Beschwerden von Konkurrenten, die sich in den Suchergebnissen benachteiligt fühlen, laufen in den USA und der EU Wettbewerbsprüfungen. Google betont inzwischen, man wolle die besten Ergebnisse für die Menschen präsentieren, nicht für Suchmaschinen. Die Größe macht Google aber auch Übernahmen schwerer: So soll der geplante Kauf der Schnäppchen-Website Groupon an der Angst vor einem Eingreifen der amerikanischen Kartellwächter gescheitert sein. Den Kauf des Flugticket-Dienstleisters ITA prüfen sie gerade vertieft.

- DATENSCHUTZ: Für den Straßenatlas Google Street View fotografierte Google komplette Straßenzüge und stellte sie in seinem Kartendienst Google Maps online. In Ländern wie den USA und Frankreich war das kein Problem - in Deutschland jedoch entzündete sich eine große Datenschutzdebatte, und es dauerte lange, bis der Dienst im Herbst online gehen konnte. Auch sonst wird Google oft als «Datenkrake» bezeichnet. Das Unternehmen selbst betont, dass man für punktgenaue Suchergebnisse nun einmal auf möglichst viele Informationen angewiesen sei, und verspricht, gut auf die Daten der Nutzer aufzupassen.

- URHEBERRECHT: Getreu dem Firmenmotto, alle Information der Welt von jedem Ort aus zugänglich zu machen, fing Google damit an, Bücherbestände von Bibliotheken einzuscannen. Die Verleger sahen ihr Geschäft bedroht und liefen Sturm dagegen. In den USA einigte sich Google mit der Buchbranche auf eine Zahlung von 125 Millionen Dollar. Das fanden wiederum europäische - darunter auch deutsche Verleger - ungerecht. Nach Druck auch von Regierungsseite fiel der US-Deal und muss neu verhandelt werden. Google-Kritiker sagen, der Fall sei ein Beispiel für die Vorgehensweise des Konzerns, zunächst einmal vorzupreschen und erst danach um Erlaubnis zu fragen. Auch mit Verlegern ist Google wegen des Nachrichten-Aggregators Google News in vielen Ländern im Streit.

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