Hewlett-Packard
Hewlett-Packard-Zentrale in Palo Alto, Kalifornien. Vor allem die Privatkunden des Unternehmens kaufen weniger neue Geräte als gedacht.

Hewlett-Packard-Zentrale in Palo Alto, Kalifornien. Vor allem die Privatkunden des Unternehmens kaufen weniger neue Geräte als gedacht.

dpa

Hewlett-Packard-Zentrale in Palo Alto, Kalifornien. Vor allem die Privatkunden des Unternehmens kaufen weniger neue Geräte als gedacht.

Palo Alto (dpa) - Die Geschäfte beim weltgrößten Computerbauer Hewlett-Packard laufen immer schleppender. Zum wiederholten Male musste der seit kurzem vom Deutschen Léo Apotheker geführte Konzern seine Erwartungen für das Gesamtjahr herunterschrauben.

Vor allem die Privatkunden kaufen weniger neue Geräte als gedacht. Erschwerend hinzu kommen nach Firmenangaben vom Dienstag die Auswirkungen des Bebens in Japan. HP rechnet in diesem Geschäftsjahr nur noch mit einem Umsatz von 129 bis 130 Milliarden Dollar. Ursprünglich wollte das Unternehmen bis zu 133,5 Milliarden Dollar erlösen. Entsprechend rechnet HP auch damit, dass der Gewinn leidet und geht nun von 4,27 Dollar aufwärts je Aktie aus. Zuletzt hatte der Konzern mindestens 4,46 Dollar versprochen.

Die Aktie ging nach dieser Hiobsbotschaft vorbörslich in die Knie und verlor 4 Prozent ihres Werts. Bereits am Montag hatte das Papier nach Börsenschluss kräftig verloren, als drastische Worte von Apotheker an seine Führungskräfte nach Außen gedrungen waren. Apotheker warnte in einem internen Schreiben, aus dem die Finanzagentur Bloomberg zitierte, vor einem «weiteren schwierigen Quartal» und mahnte seine Führungskräfte, auf jeden Pfennig zu achten und Neueinstellungen auf ein Minimum zu beschränken.

Nachdem die Warnung in der Welt war, zog HP eilig die Vorlage seiner Zahlen für das zweite Geschäftsquartal (von Februar bis April) um einen Tag vor. Eigentlich hatte HP erst an diesem Mittwoch einen näheren Einblick in seine Bücher geben wollen. Dem Konzern ist in dem Quartal zum Verhängnis geworden, dass er immer noch viel Geschäft mit Privatkunden macht, die ihre Liebe zu Tablet-Computern wie Apples iPad entdeckt haben. HP ist in diesem boomenden Markt bisher schwach aufgestellt.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner vom Dienstag sackte der PC-Absatz in Westeuropa im ersten Kalenderquartal um 17,8 Prozent auf 14,7 Millionen Geräte ab. HP kam dabei noch vergleichsweise glimpflich weg mit einem Rückgang von 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Konzern hält als Nummer eins fast ein Viertel am Gesamtmarkt in Westeuropa.

Weltweit sieht die Lage nicht ganz so dramatisch aus, vor allem dank der boomenden Schwellenländer. Bei HP fiel der Umsatz in der Privatkundensparte im zweiten Geschäftsquartal um 5 Prozent. Das Firmenkundengeschäft erwies sich ein ums andere Mal als Stütze, so dass der Gesamtumsatz sich letztlich um 3 Prozent auf 31,6 Prozent erhöhte. Der Gewinn stieg um 5 Prozent auf unterm Strich 2,3 Milliarden Dollar.

Apotheker zeigte sich nach Außen hin zufrieden mit den Zahlen, in seinem Schreiben an das Top-Management deutete er jedoch ein Sparprogramm an: «Wir haben absolut keinen Platz für unrentable Geschäfte oder willkürliche Ausgaben.» Die Aussagen sind insofern bemerkenswert, als Apotheker eigentlich angetreten war, die Zügel zu lockern. Er wollte vor allem mehr Geld für Forschung und Entwicklung bereitstellen - derartige Ausgaben würden sich aber erst auf lange Sicht auszahlen.

Apotheker hatte das Ruder vom geschassten Vorgänger Mark Hurd übernommen und steht deshalb unter besonderer Beobachtung: Hurd hatte das Unternehmen nach einer undurchsichtigen Affäre mit einer externen Mitarbeiterin im August verlassen müssen. Bei den Investoren hatte das Bestürzung ausgelöst. Denn Hurd hatte HP mit Kosteneinsparungen zu Milliardengewinnen getrieben und den Konzern durch Zukäufe zur weltweiten Nummer eins der Branche gemacht. Am späten Dienstag sollte der Rivale Dell seine Zwischenbilanz vorlegen.

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