New York (dpa) - Hewlett-Packard macht nach dem Rauswurf von Konzernchef Mark Hurd klar Schiff. Vier bisherige Verwaltungsrats- Mitglieder, die laut US-Medienberichten als Unterstützer Hurds galten, werden das Kontrollgremium verlassen.

Ihre Plätze übernehmen nach einer Mitteilung vom späten Donnerstag (Ortszeit) unter anderem die ehemalige Spitzenmanagerin des Online-Auktionshauses Ebay, Meg Whitman, sowie die frühere Chefin des Netzwerkausrüsters Alcatel- Lucent, Patricia Russo.

Die Affäre Hurd lässt HP damit auch fünf Monate nach ihrem Hochkochen nicht los. Der Konzern hatte sich im August von seinem langjährigen Chef getrennt. Eine ehemalige externe Mitarbeiterin hatte Hurd sexuelle Belästigung vorgeworfen. Eine Überprüfung durch den Verwaltungsrat entlastete Hurd zwar von diesen Anschuldigungen - gehen musste er aber trotzdem. Während der Untersuchung flogen falsche Spesenabrechnungen auf. Hurd soll die Frau mehrfach auf Firmenkosten ausgeführt haben.

Die Aufseher verloren das Vertrauen zu dem hochgelobten Manager und drängten ihn zum Rücktritt. Sie versüßten Hurd den Rückzug mit einem Abschiedspaket im Wert von mehr als 50 Millionen Dollar. Einen Teil davon musste er gleich wieder abgeben, als er kurz darauf vom Wettbewerber Oracle verpflichtet wurde. Dennoch regte der «goldene Fallschirm» etliche HP-Aktionäre auf, die vor Gericht zogen.

Nur Stunden zuvor war bekanntgeworden, dass neu hinzugekommene Verwaltungsratsmitglieder die Umstände von Hurds Abgang nochmals unter die Lupe nehmen werden. Die Nachricht hatte für einige Verwunderung gesorgt, da es zu dem Zeitpunkt nur zwei neue Mitglieder gab, darunter der frische Konzernchef Léo Apotheker, der ehemals den deutschen Software-Konzern SAP gelenkt hatte. Das Verfahren, so wollen es die Streitparteien, soll ausgesetzt werden bis Ergebnisse vorliegen.

Auch die US-Börsenaufsicht SEC hatte Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. Laut «Wall Street Journal» interessiert die SEC vor allem, ob Hurd Insiderinformationen ausgeplaudert hatte. Die einstige Mitarbeiterin namens Jodie Fisher hatte in einem Brief behauptet, Hurd habe ihr verraten, dass HP die Übernahme des IT-Dienstleisters EDS plane. Der Kauf im Jahr 2008 war rund 14 Milliarden Dollar schwer. Ein Hurd-Sprecher hatte jegliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Hurds Rausschmiss hatte die ganze Branche bewegt und sorgte für kräftige Verstimmungen zwischen HP und dem Software-Konzern Oracle, der von Hurds Freund Larry Ellison gelenkt wird. Ellison holte Hurd ins eigene Unternehmen. Dort führt er nun das Tagesgeschäft, aus dem sich Ellison weitgehend zurückgezogen hat.

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