London (dpa) - Sand im Getriebe der erfolgsverwöhnten IT-Branche: Die Experten der Marktforschungsfirma Gartner erwarten, dass die weltweiten Ausgaben für Hardware, Software und Dienstleistungen 2012 nur noch um 3,7 Prozent zulegen.

Für Deutschland wie für Westeuropa sagen sie sogar einen Rückgang um 0,7 Prozent voraus. Unternehmen, Behörden und Privathaushalte werden in diesem Jahr weltweit 3,8 Billionen Dollar für Digitaltechnik ausgeben, wie Gartner am Donnerstag mitteilte. Die bisherigen Erwartungen für 2012 wurden damit nach unten korrigiert: Statt eines Wachstums von 4,6 Prozent werden nur 3,7 Prozent erwartet. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausgaben weltweit noch um 6,9 Prozent.

Ein Grund für die Abschwächung ist die Euro-Krise. Zwar könne niemand die weitere Entwicklung einschätzen, sagte Gartner-Analyst Richard Gordon in London. «Aber das Szenario sieht nicht gut aus», fügte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hinzu. Zur Euro-Krise kommt eine Eintrübung der internationalen Konjunktur. Als dritten Grund für die Abschwächung bei den IT-Ausgaben nannte Gordon die Folgen der Flutkatastrophe in Thailand im November 2011. Der Ausfall der Festplatten-Produktion in mehreren Betrieben des Landes werde wahrscheinlich bis 2013 hinein spürbar bleiben - in Form von Engpässen bei der Lieferung und in Form von höheren Preisen.

Das größte Wachstum bei IT-Ausgaben sieht Gartner in diesem Jahr im asiatisch-pazifischen Raum mit etwa 7 Prozent, gefolgt von Lateinamerika mit 6 Prozent und dem Nahen Osten sowie Afrika mit 5 Prozent. Für die USA wird eine Zunahme von 3,9 Prozent erwartet.

Von den Gesamtausgaben in Höhe von 3,8 Billionen entfällt der größte Teil auf Telekommunikationsdienste mit 45,8 Prozent (Prognose für 2012: 2,3 Prozent). Danach folgen IT-Dienstleistungen mit 23,0 Prozent (plus 3,1 Prozent) und Telekommunikationsausrüstung mit 12,5 Prozent (plus 6,9 Prozent). Auf Hardware (plus 5,1 Prozent) entfallen 11,2 Prozent, auf Software (plus 6,4 Prozent) 7,5 Prozent.

Für 2013 erwartet Gordon, dass die IT-Ausgaben wieder kräftiger steigen - «vorausgesetzt, dass wir eine gewisse wirtschaftliche Erholung haben und dass die Euro-Krise nicht explodiert».

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