Berlin (dpa) - Die Debatte über die Enthüllung von vertraulichen Dokumenten im Internet dauert an. Für Zündstoff sorgt Aussteiger Domscheit-Berg mit einem Insider-Bericht über Wikileaks.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat Enthüllungsplattformen im Internet das Recht abgesprochen, vertrauliche Informationen von Regierungen zu veröffentlichen. «Geheimnisse sind wichtig», sagte der Minister am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». «Das zu schützen, ist für einen Staat, gerade für einen demokratischen Staat, legitim und wichtig.» Bei Diktaturen hingegen sei die moralische Rechtfertigung, Transparenz herzustellen, eher gerechtfertigt.

Der Verleger und Publizist Jakob Augstein plädierte dafür, in Enthüllungsplattformen wie Wikileaks «eine neue Form von Journalismus» zu sehen, die auch Anspruch auf rechtlichen Schutz habe. Er selbst habe aufgrund der Veröffentlichung von US-Botschaftsdepeschen einiges über die politische Kultur in Berlin gelernt, was er vorher nicht gewusst habe.

Mit Blick auf Wikileaks-Gründer Julian Assange sprach de Maizière von einem «Personenkult, der seinesgleichen sucht». Der Streit in den eigenen Reihen der Enthüllungsplattformen zeuge nicht von einem ethisch vorbildlichen Verhalten.

Der Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg stellte am Donnerstag in Berlin sein Buch «Inside WikiLeaks» vor, in dem er seinen Bruch mit Assange darstellt. Darin teilt er mit, dass er bei Wikileaks eingeschickte Dokumente mitgenommen habe, weil er um die Sicherheit der Quellen besorgt gewesen sei.

Wikileaks warf dem ehemaligen Sprecher Sabotage vor und kündigte rechtliche Schritte an. Domscheit-Berg habe zugegeben, das zentrale System der Plattform für das anonyme Einreichen von Dokumenten beschädigt zu haben.

Domscheit-Berg sagte, dass die Enthüllung von gesellschaftlich relevanten Dokumenten eine wichtige Aufgabe für mehr Transparenz sei. «Wir waren irgendwann ein neutrales Werkzeug, das nicht versucht hat, mit den Inhalten Politik zu machen.» Heute reagiere Wikileaks auf aktuelle politische Ereignisse. «Das bringt dieses neutrale Werkzeug weg von dem, was es einmal war.»

Zu seinem neuen Projekt «Openleaks» sagte Domscheit-Berg: «Wir sind einfach nur ein Dienstleister», der einen technischen Mechanismus bereitstelle. In einer ersten Testphase werde es etwa sechs Medien und Nicht-Regierungsorganisationen geben, mit denen Openleaks bei der Einordnung und Veröffentlichung von Dokumenten zusammenarbeiten werde.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer