Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe während ihres Rundgangs über die CeBIT Messe in Hannover. Foto: Friso Gentsch
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe während ihres Rundgangs über die CeBIT Messe in Hannover. Foto: Friso Gentsch

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe während ihres Rundgangs über die CeBIT Messe in Hannover. Foto: Friso Gentsch

dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe während ihres Rundgangs über die CeBIT Messe in Hannover. Foto: Friso Gentsch

Hannover (dpa) - Die Digitalisierung in Deutschland wird durch einen verschärften IT-Fachkräftemangel und auch Internet-Kriminelle ausgebremst.

Das wurde am ersten Tag der Technologiemesse CeBIT in Hannover deutlich, wo das diesjährige Partnerland Japan einen verstärkten digitalen Schulterschluss mit Deutschland sucht.

Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland hat sich dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zufolge zugespitzt. «Im vergangenen Jahr beklagte nur etwa jeder fünfte Befragte, dass IT-Fachkräfte für große Unternehmen schlecht oder sehr schlecht verfügbar sind - nun sieht es schon fast jeder Dritte so», sagte der zuständige VDI-Manager Dieter Westerkamp. Bei einer neuen Studie zum Thema Digitalisierung stellte sich dabei heraus, dass das Problem anders als früher neben kleinen und mittleren nun auch große Unternehmen betrifft.

Nach eigenen Berechnungen habe es 2016 insgesamt 28 800 offene Stellen für Informatiker gegeben - 23 Prozent mehr als im Schnitt des Vorjahrs. Westerkamp: «Das heißt: auf einen arbeitslos gemeldeten Informatiker kommen 3,5 offene Stellen.» Viele befragte Experten rechneten noch mit einer Verschärfung dieses Engpasses. Damit drohe sich der Trend zu verstetigen, dass IT-Dienstleistungen in Standorte im Ausland verlagert oder aus dem Unternehmen herausgelöst werden.

Die größte Herausforderung beim digitalen Wandel besteht zudem für viele Betriebe nicht so sehr in der technologischen Beherrschbarkeit der Prozesse, sondern der Entwicklung und Umsetzung geeigneter neuer Geschäftsmodelle. International habe Deutschland dabei einen deutlichen Nachholbedarf, warnte der VDI. Ein Risiko stellt für viele Unternehmen die Cybersicherheit dar. Mehrere Redner betonten auf der Messe, dass viele Unternehmen aus Angst vor Imageschäden nur selten über Schäden sprechen würden.

Die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime des niedersächsischen Landeskriminalamtes ruft daher Unternehmen dazu auf, sich vor Cyberangriffe zu schützen. «Sie werden definitiv angegriffen, ob gezielt oder in der Masse», warnte der Kriminalbeamte Christian Pursche. Angreifer würden etwa USB-Sticks mit Schadsoftware zu Schichtbeginn an Mitarbeiter verteilen, die diese dann mit in das Unternehmen bringen. Ein anderes Einfallstor seien Bewerbungsmails mit Schadsoftware im Anhang. Die Ansprechstelle berät Firmen, wie sie Angriffe auf ihr IT-System verhindern können.

Europa gibt nach Angaben eines Experten für Cybersicherheit weniger aus als die USA oder andere Weltregionen. Auf einer Internationalen Cybersicherheits-Konferenz am Rande der CeBIT betonte der Brite Steve Purser, der Markt für Cybersicherheit wachse weltweit um acht, in der Europäischen Union aber nur um sechs Prozent. Nach Erkenntnissen von Purser, der für die Europäische Netzwerk- und Informationssicherheit-Agentur (ENISA) arbeitet, stellt Schad-Software zur Zeit die größte Bedrohung dar.

Deutschland und Japan suchen auch bei diesem Thema den digitalen Schulterschluss. In einer am Sonntag unterzeichneten «Hannover-Deklaration» seien Bereiche der Zusammenarbeit definiert worden, sagte Staatssekretär Matthias Machnig aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf der CeBIT. Dazu gehörten neben dem autonomen Fahren die künstliche Intelligenz oder die Datenanalytik. «Japan und Deutschland gehen einen ähnlichen Weg in der Digitalisierung», betonte Machnig. Die Zusammenarbeit solle auch in einer digitalen Agenda für der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) münden, der Deutschland aktuell vorsteht.

Schon bei der Eröffnung am Vorabend hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Shinzo Abe, der Ministerpräsident des diesjährigen Partnerlandes Japan, für eine intensivere Kooperation und einen freien und fairen Welthandel ausgesprochen. Ähnlich wie Merkel betonte auch Machnig am ersten Messetag, Europa sei oft langsam bei der Digitalisierung. Ein weltweiter freier Datenverkehr sei für die Digitalisierung ein wichtiger Eckpfeiler: «Wir brauchen keine Mauern, wir brauchen Offenheit und Zusammenarbeit», sagte er.

«Die gestrige Hannover-Deklaration soll die industrielle Kooperation vorantreiben», sagte der Generaldirektor für die Digitalwirtschaft in Japans Wirtschaftsministerium, Hiyoshi Mori, auf der CeBIT. Es gehe vor allem um die Frage, wie die industrielle Wertschöpfung durch die Digitalisierung vorangebracht werden könnte. Japan und Deutschland seien beides Spitzenanbieter bei der Automobilproduktion und hätten gerade bei der Entwicklung des autonomen Fahrens viele gemeinsame Fragen und Ausgangspositionen. «Japan ist ein Labor der Zukunft, das wir von hier in Deutschland mit der Lupe anschauen sollten», sagte der Präsident des Digital-Branchenverbands Bitkom, Thorsten Dirks.

Jeder vierte der weltweit führenden Technologiekonzerne habe seinen Sitz in Japan, das Land sei im internationalen vergleich eine der führenden Nationen beider Digitalisierung. Das gelte auch beim demografischen Wandel, der das asiatische Land früher als Deutschland zur Suche nach Lösungen - etwa durch Pflege-Roboter - gezwungen habe.

Auch Fujitsu-Chef Masami Yamamoto betonte, dass der Mensch bei allen technologischen Umbrüchen im Fokus bleiben müsse. Beim digitalen Wandel seien unter anderem ein großer gesellschaftlicher Konsens nötig, aber auch einen Ausbau der Sensorproduktion, Energieeinsparungen, eine Standardisierung bei der Datennutzung sowie eine ausgewogene Balance aus Datenschutz und freiem Datenverkehr.

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