Panono-Erfinder Jonas Pfeil
Jonas Pfeil hat die Wurf-Kamera Panono erfunden. Foto: Britta Pedersen

Jonas Pfeil hat die Wurf-Kamera Panono erfunden. Foto: Britta Pedersen

dpa

Jonas Pfeil hat die Wurf-Kamera Panono erfunden. Foto: Britta Pedersen

Las Vegas (dpa) - Auf der Elektronik-Messe CES rangeln neben den IT-Riesen hunderte kleiner Unternehmen um Aufmerksamkeit und Aufträge. Darunter auch eine Firma aus Berlin mit einem «Street View für die Hosentasche».

Jonas Pfeil hatte eigentlich nicht vor, im Januar nach Las Vegas zu fahren. Dann wurde kurzfristig ein Standplatz auf der Elektronik-Messe CES (7. bis 10. Januar) frei. Pfeil und drei Kollegen packten ihre Koffer und flogen los. Denn sie haben etwas zu verkaufen: Ihre Erfindung ist eine kleine Kamera-Kugel, die im Flug Panoramafotos schießt.

Auf der Technologie-Messe präsentieren alljährlich Unternehmen ihre Neuheiten. Neben den Riesen Samsung, Sony oder Intel sind auch viele kleine Firmen darunter, die die Messe als Startrampe für ihre Produkte nutzen wollen.

So auch die Erfinder der Kamera-Kugel. Der Ball wird in die Luft geworfen und knipst eine 360-Grad-Aufnahme der Umgebung. Dafür sorgen 36 Kameras, die in alle Richtungen zeigen. Das Bild wird aufs Handy geschickt. Dazu gibt es einen Link im Internet, den Nutzer weitergeben können. «Es ist quasi ein Google Street View für die Hosentasche», sagt Pfeil.

Die Idee dazu sei ihm im Urlaub gekommen, erzählt er. Er wollte Panoramabilder schießen, doch das dauerte zu lange. Denn die Aufnahmen werden meist wie ein Puzzle aus einer Reihe einzelner Bilder zusammengesetzt. «Das Problem ist, das man ganz viele Fotos machen muss.»

Der Informatikstudent suchte nach einer Lösung. Für seine Diplomarbeit entwickelte er schließlich ein Modell der 360-Grad-Kamera. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern gründete er im Oktober 2012 Panono. «Wir mussten eine ganze Weile entwickeln, bis wir wussten: Wir können das bauen», sagt Pfeil. Geld bekamen sie von Investoren und aus staatlicher Förderung.

Zusätzlich nutzte Panono ein Werkzeug der Internet-Welt: Sie sammelten online Geld und Bestellungen für eine erste Bauserie. Bei einem solchen «Crowdfunding» unterstützen viele Menschen ein Projekt. Kommt genug Geld zusammen, kann das Produkt gebaut werden. Bei Technologie-Startups ist das ein beliebter Weg, um an Geld zu kommen. Über Webseiten wie Kickstarter wurden schon die Daten-Uhr Pebble oder Zubehör für Apple-Handys finanziert. Für die Startups ist das praktisch, denn sie bekommen so ihre Produktionskosten im Voraus finanziert und können mit der Sammelkampagne für ihre Idee werben.

Die Crowdfunding-Plattform Indiegogo, bei der Panono das Geld sammelte, wachse derzeit schnell in Europa, sagt ihr Mitgründer Slava Rubin. «Der Ausbau des internationalen Geschäfts ist eines unserer vorrangigen Ziele für die nächste Zeit.» Indiegogo und Kickstarter, beides Vorreiter in dem Bereich, wetteiferten im vergangenen Jahr um spannende Projekte und Medien-Aufmerksamkeit.

Panono hatte schon vorzeitig die Zielmarke von 900 000 Dollar geknackt, ab der das Projekt verwirklicht werden sollte. Am Wochenende endete die Kampagne mit 1,25 Millionen Dollar von über 2400 Unterstützern. Dafür sollen sie die Kamera für knapp 500 Dollar bekommen, im Laden soll sie später 100 Dollar mehr kosten.

Auf der Messe haben Pfeil und seine Mitstreiter stundenlang ihre Kamera vorgeführt und Kontakte zu Einkäufern geknüpft. Wenn sie wieder in Deutschland sind, steht der nächste Schritt an: Die Kameras müssen gebaut werden. Um sie herum beginnen nach vier offiziellen Messetagen die Aussteller mit dem Abbau.

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