New York (dpa) - Piiiieeeep, chrrrr, tiidüü: Als Modems für die meisten Menschen noch die einzige Möglichkeit waren, ins Internet zu gehen, schlug die große Zeit von AOL. Keiner brachte mehr Menschen ans damals noch junge Netz wie America Online.

AOL flutete auch Briefkästen in Deutschland mit seinen CDs, die die Einwahlsoftware enthielten. Mitten in der Dotcom-Blase fusionierte AOL unter großem Tamtam mit dem Medienkonzern Time Warner.

Die damals 100 Milliarden Dollar schwere Ehe ist längst geschieden. Denn seitdem schnelle Internet-Zugänge via DSL oder Kabel ihren Siegeszug angetreten hatten und eine Monats-Flatrate schon für unter 20 Euro zu haben war, ging es mit AOL bergab. Die großen Telekommunikationskonzerne und neue Konkurrenten wie die Kabelnetzbetreiber übernahmen das Ruder. AOL verlor scharenweise Kunden und schrieb hohe Verluste.

Der Internet-Pionier musste sich neu erfinden: AOL versucht sich heute als Inhalteanbieter und Werbevermarkter. Vor der Huffington Post schluckte die Internetfirma schon das bekannte US-Technologie- Blog TechCrunch. Dagegen trennte sich AOL vom Chat-Dienst ICQ und dem einst teuer eingekauften sozialen Netzwerk Bebo. Hunderte Mitarbeiter mussten gehen. Aus Deutschland hat sich AOL weitgehend zurückgezogen.

Auch wenn AOL-Chef Tim Armstrong immer wieder beteuert, dass sein Unternehmen Fortschritte mache, so fällt die Bilanz doch eher ernüchternd aus: Die geldbringenden Werbekunden flüchten weiterhin genauso wie die zahlenden Nutzer. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz um 26 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar. Der Verlust lag bei 783 Millionen Dollar (579 Mio Euro).

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