Im Gespräch mit der WZ verteidigt der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Korschenbroich seinen Angriff auf die Netzgemeinde. "Ich würde meinen Gastbeitrag wieder genau so schreiben." Ein Neusser Parteifreund legt ihm derweil den Rückzug aus der Enquete-Kommission nahe.

Korschenbroich/Krefeld. "Ich würde meinen Gastbeitrag wieder genau so schreiben und veröffentlichen", sagt Ansgar Heveling. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Korschenbroich (Wahlkreis Krefeld I / Neuss II) ist in den vergangenen zwei Tagen zum beliebtesten Buhmann im Internet avanciert. Der Grund: Der Abgeordnete hat in einem am Montag erschienenen Gastbeitrag im "Handelsblatt" behauptet, dass das soziale Internet dem Untergang geweiht ist und einen "Endkampf" um gute Tugenden im Netz prophezeit.

Wörtlich hieß es in der markig formulierten Kampfschrift: „Das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wieviel digitales Blut bis dahin vergossen wird.“

Im Gespräch mit der WZ übte sich Heveling am Dienstag in Erklärungsversuchen und legte nach: "Ich glaube, dass es schon bald eine Generation geben wird, die mit dem Internet ganz anders umgeht. Blogger haben dann keine Relevanz mehr."

Heveling erklärte sich als durchaus internetaffin, indem er sagte: "Ich glaube natürlich nicht, dass das Internet bald abgeschaltet wird und ich will das auch gar nicht. Ich bin auch nicht internet- oder fortschrittsfeindlich. Ich finde das Internet großartig und nutze es häufig." Allerdings habe er mit seinem "bewusst provokanten" Beitrag darauf aufmerksam machen wollen, dass es im Internet eine Gruppe gibt, die die Meinungsführerschaft für sich beansprucht. "Und wer sich kritisch äußert, erlebt Aggression statt Argumentation."

Das hat Heveling am eigenen Leib erfahren. Er muss seit der Veröffentlichung nicht nur seitenweise Schmähschriften auf Facebook und Twitter über sich ergehen lassen. Auch seine Website wurde manipuliert - seine Zugangsdaten wurden erraten und im Netz verbreitet. Plötzlich waren dort Meldungen über einen erfundenen Parteiaustritt zu lesen. Heveling will zwar keine juristischen Schritte einleiten, sagt aber: "Diese Webseite gehört mir. Dass sie so einfach gehackt wird, wirft die Frage auf, wie die Gesellschaft im Internet mit Recht umgeht."

Als Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft würden ihn besonders Fragen rund um geistiges Eigentum und Urheberrechte im Netz bewegen. "Mein Eindruck ist, dass eine offene Diskussion im Netz darüber nicht mehr funktioniert." Mit seinem Gastbeitrag wollte er eine neue Debatte anstoßen. Aus seiner Sicht ist ihm das mehr als gelungen. "Die Art und Weise der Reaktionen haben mir zudem gezeigt, dass meine Grundthesen stimmen. Eigentlich läuft jetzt genau das ab, worauf ich aufmerksam gemacht habe."

Dass der CDU-Mann auch zum Teil öffentliche Kritik von Parteifreunden einstecken musste, sieht er gelassen. "Ich habe nicht die Internetpolitik meiner Partei infrage gestellt."

Parteifreund Florian Merker, Junge Union-Chef im Rhein-Kreis Neuss legte Heveling indes nahe, seinen Platz in der Enquete-Kommission zu räumen: „Das war definitiv der falsche Weg, sich dem Thema zu nähern. Das entspricht nicht dem Niveau, das man haben sollte, um sich mit Netzpolitik auseinanderzusetzen.“

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