Aktivist von Anonymous: Seit mehreren Monaten ruft die Hackergruppe dazu auf, die Web-Auftritte rechter Organisationen anzugreifen. Foto: Marc Tirl/Archiv
Aktivist von Anonymous: Seit mehreren Monaten ruft die Hackergruppe dazu auf, die Web-Auftritte rechter Organisationen anzugreifen. Foto: Marc Tirl/Archiv

Aktivist von Anonymous: Seit mehreren Monaten ruft die Hackergruppe dazu auf, die Web-Auftritte rechter Organisationen anzugreifen. Foto: Marc Tirl/Archiv

dpa

Aktivist von Anonymous: Seit mehreren Monaten ruft die Hackergruppe dazu auf, die Web-Auftritte rechter Organisationen anzugreifen. Foto: Marc Tirl/Archiv

Berlin (dpa) - Aktivisten der Hacker-Gruppe Anonymous haben ein gegen die rechte Szene gerichtetes Enthüllungsportal gestartet. Auf der Website nazi-leaks.net sind unter anderem Listen mit angeblichen NPD-Spendern sowie Kunden von Versandhäusern veröffentlicht worden.

Das Portal ist nach Angaben der unbekannten Betreiber Teil der seit mehreren Monaten laufenden «Operation Blitzkrieg», bei der Anonymous-Hacker die Web-Auftritte rechtsgerichteter Organisationen angreifen. Die Deutsche Presse-Agentur konnte die Echtheit der veröffentlichten Informationen nicht verifizieren. Die NPD erklärte, sie prüfe den Fall noch, werde aber wahrscheinlich eine Anzeige erstatten.

Bei nazi-leaks.net handelt es sich um ein technisch simples Blog, bei dem Nutzer per E-Mail Informationen einreichen können. Auf der Seite standen am Montag unter anderem Listen mit Kunden rechter Versandhäuser, Kontakten der Zeitschrift «Junge Freiheit» sowie interne E-Mails der NPD, aus denen bereits im Februar mehrere deutsche Medien berichtet hatten. Die Domain wurde am 18. Dezember 2011 registriert. Am Montag war die Website aber teilweise nicht zu erreichen - offenbar wegen der vielen Seitenaufrufe.

Die Zeitschrift «Junge Freiheit» erklärte, die auf nazi-leaks.net veröffentlichte Liste mit Kontakten der Redaktion sei bereits im Juli publiziert worden - damals auf der Website Indymedia. Der Verlag habe Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. «Es handelt sich eindeutig um einen kriminellen Akt», sagte Felix Krautkrämer, Redakteur der Zeitschrift. Er betonte, dass die in der Liste aufgeführten Personen nicht allesamt Autoren seien, sondern teils auch Interview-Partner, die selbst nicht für die «Junge Freiheit» aktiv seien.

Die NPD erklärte am Montag auf dpa-Anfrage, sie prüfe die veröffentlichten Daten noch. Er wisse nicht, ob sie authentisch seien, sagte Parteisprecher Frank Franz. Die Partei werde wahrscheinlich in «allen denkbaren Bereichen» Strafanzeige stellen. Alles, was mit Hacking zu tun habe, betrachte die NPD als kriminell.

Anonymous ist ein lose organisierter Zusammenschluss von Hackern ohne klar umrissene Führung. Die Aktivisten schließen sich zumeist ad hoc zu einzelnen «Operationen» unterschiedlichster Art zusammen. Bekannt geworden ist das Kollektiv vor allem mit Angriffen auf Firmen, die dem Enthüllungsportal Wikileaks die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, etwa Mastercard.

Die Websites rechter Gruppierungen sind in der Hacker-Szene ein beliebtes Ziel, immer wieder kommt es zu Angriffen. So legte eine Gruppe namens «No-Name Crew» im Mai rund 25 Websites der NPD lahm und lud dabei interne Informationen herunter. Nach anderen Aktionen wurden die Hacker von der Polizei gefasst. Auf den Jahreskongressen des Chaos Computer Clubs werden regelmäßig die Präsenzen rechter Organisationen attackiert.

Bei der Benennung der Operation greifen die Anonymous-Aktivisten einen Begriff auf, den die Nationalsozialisten geprägt haben: Als Blitzkrieg bezeichneten sie überfallartige Angriffe, etwa beim Feldzug gegen Polen im September 1939.

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