Cupertino (dpa) - Schock für Apple: Zum dritten Mal muss Konzernchef und Unternehmensgründer Steve Jobs krankheitsbedingt eine Auszeit nehmen. Der Apple-Aktie dürfte das erneut Turbulenzen bescheren.

Vorerst wird - wie vor zwei Jahren - der für das Tagesgeschäft zuständige Apple-Manager Tim Cook das Steuer übernehmen. An wichtigen Fragen des Unternehmens werde er sich aber weiterhin aktiv beteiligen, versicherte Jobs am Montag in einem Brief an die Mitarbeiter. Für große Unsicherheit unter den Anlegern könnte allerdings die Tatsache sorgen, dass Jobs wieder einmal keine Details über seinen Gesundheitszustand mitteilt.

Der Verwaltungsrat habe ihm eine weitere gesundheitsbedingte Auszeit gewährt, schrieb Jobs. Er habe großes Vertrauen in Tim Cook, der schon einmal für ein halbes Jahr die Führung übernommen hatte. «Ich liebe Apple so sehr und hoffe, so schnell wie ich kann zurückzukommen.» Alle weiteren Details zu seiner Krankheit erklärte der Firmenchef allerdings zu seiner Privatsache.

Bei kaum einem anderen Unternehmen wird der Erfolg so untrennbar mit dessen Führung verbunden wie bei Apple. Der charismatische Firmengründer Jobs hatte Apple in den 80er Jahren nach einem Zerwürfnis mit der Unternehmensführung verlassen. Er kehrte aber 1997 an die Firmenspitze zurück und brachte das damals schwer angeschlagene Unternehmen mit einer beeindruckenden Kehrtwende wieder auf Kurs.

Die Erfolgsserie, die der 55-Jährige mit den ersten bunten iMacs und dem iPod startete, riss bis heute nicht ab. Mit seinem erfolgreichen iTunes Store schrieb das Unternehmen Geschichte und machte den digitalen Vertrieb von Songs und Alben in der Musikindustrie salonfähig. Als völliger Neuling in der Mobilfunkbranche brachte Apple mit dem iPhone einen Senkrechtstarter auf den Weg. Das iPhone gilt bis heute der Branche als Referenzmodell eines Smartphones. Mit dem iPad gelang es dem Konzernlenker schließlich, der fast totgeglaubten Gerätegattung der Tablet- Computer mit überwältigendem Erfolg neues Leben einzuhauchen.

Und in den kommenden Wochen sollte die Erfolgsserie weiter fortgeschrieben werden. So soll nach Spekulationen in der Branche ein neues Modell des iPad vorgestellt werden. Mit dem Medienunternehmer Rupert Murdoch war zudem für die kommenden Tage der Launch der Zeitung «The Daily» exklusiv für das iPad geplant. Jobs' Auszeit kommt in dieser Hinsicht denkbar ungelegen.

Günstig hingegen könnte sich der Zeitpunkt der Ankündigung in anderer Hinsicht auswirken. Jobs veröffentlichte seinen Brief an die Mitarbeiter am Martin Luther King Day, der in den USA ein Feiertag ist - und an dem die New Yorker Börse geschlossen hat. In Frankfurt sackte die Aktie unmittelbar nach Bekanntwerden des Schreibens prompt um rund sieben Prozent auf 242 Euro ab. Bereits wiederholt hatte der Gesundheitszustand des Apple-Chefs heftige Ausschläge nach unten an den Wertpapierbörsen zur Folge. Die Geheimniskrämerei hatte die Anleger vielfach aufgebracht und auch zu kritischen Blicken der US- Börsenaufsicht SEC geführt.

Erstmals war Jobs 2004 an einer seltenen Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Anleger und Fans reagierten tief bestürzt. Vor allem an den Börsen traute dem Unternehmen zunächst niemand zu, ohne seine schillernde Führungsfigur weiter auf Erfolgskurs zu bleiben. Schon damals hielt sich Jobs mit Informationen über seinen Gesundheitszustand zurück und informierte die Öffentlichkeit erst, nachdem die Operation erfolgreich überstanden war.

Rund vier Jahre später hatte es dann erneut Spekulationen gegeben, nachdem Jobs sichtlich abgemagert auf der Mac World Expo in San Francisco auftrat. Auch damals hieß es aus der Konzernleitung, die Gesundheit von Jobs gehöre in seine Privatsphäre. Zunächst war von Hormonstörungen die Rede. Schließlich wurde die Lage so ernst, dass sich Jobs einer Lebertransplantation unterziehen musste.

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