Für den Düsseldorfer Energieriesen Eon reißen die negativen Schlagzeilen nicht ab: Nach von Brüssel erzwungenen Stromnetz- und Kraftwerksverkäufen sowie Zoff mit der Belegschaft wegen Arbeitsplatzabbaus muss jetzt bei der EU eine saftige Kartellstrafe wegen Behinderung des freien Wettbewerbs auf dem Gasmarkt gezahlt werden.

Zwar tut Eon die gute halbe Milliarde bei zuletzt 9,8 Milliarden Euro Jahresgewinn nicht so weh wie anderen Unternehmen. Aber auch die Düsseldorfer sind auf dem Spartrip und wollen 1,5 Milliarden Euro jährlich einsparen - auch durch Abbau von hunderten Parallelarbeitsplätzen in den Zentralen. Allein in Düsseldorf sollen 150 Beschäftigte gehen.

Was für Eon schwerer wiegt, ist das erneut angekratzte Image, das sich gerade mit einer Offensive für mehr regenerative Energie und günstigere Tarife über einen hauseigenen Energie-Discounter gebessert hatte. Aber Eon-Chef Wulf Bernotat, der im kommenden Mai seinen letzten Arbeitstag in Düsseldorf hat, wollte da durch. Auf sein Gasnetz wollte er nicht auch noch verzichten - es bleibt für Brüssel tabu.

Die Vorwürfe der EU-Kommission sind massiv, dürften aber zutreffen. Ruhrgas hat am Mittwoch bereits Vereinbarungen über Gebietsabsprachen zugegeben, allerdings für die Zeit vor der Liberalisierung der europäischen Gasmärkte im August 2000. Bereits seit 2006 ermittelten die EU-Wettbewerbshüter gegen das mutmaßliche Gaskartell. Bei den Razzien in den Firmenzentralen dürfte die EU-Kommission noch weitere Beweise und Gesprächsprotokolle gefunden haben, die den Missbrauch belegen. Brüssel legte aber am Mittwoch nicht alle Karten auf den Tisch und wartet die gerichtliche Klärung ab.

Für die Gasverbraucher, darunter private Haushalte, große Unternehmen und kleine Handwerker, ist der Marktmissbrauch auf dem Energiesektor unerträglich. Seit Jahren wird ihnen Strom und Gas zu tendenziell immer höheren Preise verkauft. Die Verbraucher fühlten sich dagegen machtlos, und jetzt wird ihnen mitgeteilt, dass die Gebiete seit Jahrzehnten fein säuberlich aufgeteilt wurden, damit die Preise hoch blieben. Diesmal können sich die Konsumenten allerdings wehren: Brüssel rät, die Konzerne wegen überhöhter Gasrechnungen auf Schadenersatz zu verklagen.

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