Schnell, schneller, Wittke - das war bislang innerhalb der NRW-CDU die Maßeinheit für eine politische Karriere. Auf allen Posten war Wittke immer einer der Jüngsten, rastlos raste er von einem Job zum anderen - Stadtrat, Junge Union, Landtag, Oberbürgermeister in Gelsenkirchen, Minister, CDU-Bezirkschef. Nun hat er sich selbst ausgebremst - mit 42 Jahren ist Wittke Opfer seines eigenen Tempos geworden. Seine Karriere hat einen kräftigen Knick bekommen.

Die Abwahl durch die Bürger in Gelsenkirchen mag ihn 2004 hart getroffen haben. Dass ihm Ministerpräsident Jürgen Rüttgers die Gunst entzogen hat, ist für ihn eine Katastrophe. Die vier Sätze, die ihm am Mittwoch aus der Staatskanzlei hinterhergerufen wurden, lassen nur einen Schluss zu: Wittke ist bei Rüttgers in Ungnade gefallen.

Nun gibt es also den ersten Rücktritt in der dreijährigen Amtszeit von Schwarz-Gelb in Nordrhein-Westfalen. Es hat keine der Unglücksministerinnen getroffen: Die Justizchefin Roswitha Müller-Piepenkötter durfte trotz des Foltermords in Siegburg im Amt bleiben, die vielen Pannen von Schulministerin Barbara Sommer blieben ohne Konsequenzen.

Rein fachlich betrachtet hätten beide lange vor Wittke gehen müssen. Aber die beiden Quereinsteigerinnen in die Politik haben den grundlegenden Fehler vermieden, der ausgerechnet Jung-Profi Wittke unterlaufen ist: Sie haben rechtzeitig dem Chef Rüttgers alles gebeichtet und sich seiner Rückendeckung versichert.

Wittke aber hat gedacht, er käme irgendwie durch, hat sich in nassforscher Manier noch für eine Anti-Raser-Kampagne einspannen lassen, als sein Führerschein längst in Meschede auf der Polizeiwache lag. Die Fahrerlaubnis hat er nach acht Wochen Entzug ab heute wieder. Gerade rechtzeitig, denn die Regierungslimousine samt Fahrer steht ihm nun nicht mehr zur Verfügung.

Für Wittke ist die Affäre ein herber Rückschlag, vielleicht sogar ein entscheidender. Die Frage ist, ob er seine Parteiämter behalten kann. Für Rüttgers kommt die Angelegenheit zur Unzeit. In der kommenden Woche gibt es in Münster das Urteil zum Kommunalwahltermin - nach Lage der Dinge verliert die Landesregierung. Der Start ins Superwahljahr ist gründlich misslungen.

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