Ingo Faust
Ingo Faust

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Den Einbruch von 2,1 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres haben selbst die schlimmsten Pessimisten nicht erwartet. Für die Euro-Zone lag der Rückgang im Schlussquartal bei 1,5 Prozent. Das deutlich schlechtere Abschneiden geht vor allem darauf zurück, dass der Exportweltmeister die Investitionszurückhaltung rund um den Globus besonders zu spüren bekommt.

Besorgniserregend ist, dass sich der Rückgang im Eiltempo vollzieht. Von Quartal zu Quartal werden die Minuszahlen größer. Eine Schrumpfung um 2,5 Prozent - bisheriger Rekord - hatte die Bundesrepublik bereits einmal im 1. Quartal 1987 aufgewiesen. Darauf folgte aber sofort ein Wachstum von 2,2 Prozent im folgenden Quartal. Dies wird sich diesmal nicht wiederholen.

So zittern alle Ökonomen bereits dem Ergebnis des 1. Quartals dieses Jahres entgegen. Es könnte Aufschluss darüber geben, auf welchen weiteren Konjunkturverlauf wir uns einstellen müssen. Wird es eine übliche Kurve in einer V-Form, dann müsste der Tiefpunkt des Rückgangs bald erreicht sein. Wird es eine schwierige und seltenere U-Form, dann bleiben die Minuszahlen über weitere Quartale erhalten, bevor es wieder aufwärts geht. Kommt es jedoch zu der furchterregenden L-Form, wie in den 1930er-Jahren bei der Großen Depression, dann ist noch lange kein Land in Sicht.

Die Multi-Milliarden-Konjunkturprogramme, die weltweit gestartet werden, dürften jedoch eine Depression verhindern. Frühestens im Herbst und spätestens zum Jahreswechsel dürfte es wieder aufwärts gehen, vermuten Optimisten. Allerdings wird der Aufschwung nicht im Eiltempo, sondern im Schneckentempo vonstatten gehen. Auch muss mit Rückschlägen gerechnet werden, wenn die Strohfeuer erloschen sind, die ein Teil der Konjunkturprogramme wie beispielsweise die Abwrackprämie entfacht hat.

Freuen kann sich vor allem die deutsche Wirtschaft auf den neuen Aufschwung. Sie wird als führende Exportnation für Industriegüter ganz vorne mitmarschieren. Maschinen und Anlagen werden dann als erstes gebraucht, so wie sie jüngst als erstes storniert wurden. Die Welt wird aber eine andere sein - die Banken werden ihre alte Macht nie wieder erreichen.

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