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Ein Kommentar von Peter Kurz.

Ein Kommentar von Peter Kurz.

Sergej Lepke

Ein Kommentar von Peter Kurz.

Wirtschaft als Schulfach – ja, warum denn nicht? Oder besser: es ist höchste Zeit dafür. Schließlich ist es doch richtig, wenn die Schüler ein solides Wissen über den Markt, den Wettbewerb, über die Funktionsweise von Unternehmen und auch die Volkswirtschaft bekommen. Doch wer mit solchen Rufen der Zustimmung auf den Plan der schwarz-gelben Koalition in NRW reagiert, ist in der Gefahr, wichtige Aspekte außer acht zu lassen. Zunächst sollte nämlich gefragt werden, auf wessen Kosten die Einführung eines solchen Schulfachs gehen soll. Irgendetwas anderes fällt dann ja angesichts der begrenzten Schulstundenzahl weg. Geht die Sache zu Lasten von Staatsbürgerkunde, Politik oder Geschichte, so passt das so gar nicht in eine Zeit, in der rechtspopulistische Kräfte erstarken.

Auch muss die Frage geklärt werden, wo eigentlich die Fachkräfte herkommen sollen, die das Fach Wirtschaft unterrichten sollen. Und es braucht einen Lehrplan und Schulbücher. Vor allem aber droht diese Gefahr: dass nämlich in dem Fach Wirtschaft die Schwerpunkte falsch gesetzt werden. Zwar spricht die NRW-Bildungsministerin davon, dass Kinder und Jugendliche in die Lage versetzt werden sollen, „ihr Erwachsenen- und Arbeitsleben eigenverantwortlich und selbstbestimmt“ gestalten zu können. Wozu auch Verbraucherbildung und reflektierte Konsum- und Finanzkompetenz gehörten.

Doch darf dieser Aspekt der Verbraucherbildung kein kleiner Teil, sondern er muss der Schwerpunkt sein. Da muss es gehen um ökonomische Allgemeinbildung wie Steuer- und (Sozial-)Versicherungsfragen. Und um rechtliche Grundlagen, deren Kenntnis ganz einfach wichtig ist, um nicht schon vor dem Schultor übers Ohr gehauen zu werden. Dazu gehören aber auch Fragen wie eine richtige Ernährung, deren Vernachlässigung ihrerseits ja auch wieder volkswirtschaftlich nachteilige Folgen hat. Handyverträge, Datenschutzfragen oder auch Fallen in Kreditverträgen, deren Folgen einen noch auf Jahre begleiten können – all das sind sehr praktische und bedeutende Fragen. Sie zu behandeln, macht die Jugendlichen einigermaßen wetterfest. Themen, die nützlicher sind als manch ökonomische Theorie, deren Kenntnis nicht mal Fachleute davor bewahrt, Finanzkrisen und deren Vorboten falsch einzuschätzen.

Wenn es in diesem Sinne ein neues Schulfach geben soll, dann mag man es Verbraucherbildung oder Wirtschaft nennen. Hauptsache, es ist handfest und im besten Sinne lebensnah.

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