Rolf Eckers
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Sergej Lepke

Rolf Eckers

Vor zweieinhalb Jahren war die Lufthansa-Welt alles andere als in Ordnung. Der vorsätzlich herbeigeführte Absturz einer Maschine der Konzern-Tochter Germanwings in den französischen Alpen kratzte gewaltig am guten Image der Kranich-Linie. Hätte das Unternehmen nicht verhindern können, dass ein Copilot durch seinen Suizid 149 Menschen mit in den Tod reißt? Druck auf Lufthansa-Chef Carsten Spohr übten auch die Erfolge der Billigerflieger aus. Vor allem Ryanair schien mit extrem niedrigen Preisen auf dem richtigen Weg zu sein. Der Kurs der Lufthansa-Aktie fiel im Herbst des vergangenen Jahres bis auf 9,30 Euro.

Wer das Papier gestern haben wollte, musste mehr als 25 Euro zahlen. Binnen zwölf Monaten ist es Spohr gelungen, die Tarifauseinandersetzungen im Konzern zu beenden und mit Eurowings selbst eine starke Billigmarke zu etablieren. Richtig abheben kann das Unternehmen nun, weil die Lufthansa-Tochter den insolventen Konkurrenten Air Berlin ohne Altlasten in weiten Teilen übernehmen wird. Dass das Geschäft zustande kommt, war seit Monaten klar. Allzu offensichtlich stand die Politik dabei Pate. Der Kaufpreis reicht aus, um der Bundesregierung ihren 150-Millionen-Kredit zurückzuzahlen, mit dem sie im August den Weiterbetrieb der Air Berlin ermöglichte. Für die übrigen Gläubiger der Pleite-Airline wird aber kaum etwas übrig bleiben. Insbesondere dürften die fast 200 000 Kunden leer ausgehen, die ihre Flugtickets schon vor dem Insolvenzantrag Mitte August gekauft haben.

Im innerdeutschen Flugverkehr verfügt die Lufthansa künftig über eine Monopolstellung. Steigende Preise sind absehbar. Die größte deutsche Airline profitiert aber nicht nur deshalb vom Niedergang der Air Berlin. Zusätzlich ergibt sich die Möglichkeit, Teile des entlassenen Personals neu einstellen zu können, ohne auf alte Verträge und erworbene Rechte Rücksicht nehmen zu müssen. Wer bei Lufthansa eine Chance bekommt, wird in der Regel weniger verdienen als bisher. Für jene, die bisher bei Air Berlin in den Bereichen Verwaltung und Technik gearbeitet haben, dürfte es dagegen bei der Lufthansa keine Zukunft geben. Dass die Betroffenen zunächst in einer Transfergesellschaft unterkommen, ist ebenfalls wenig wahrscheinlich. Weder Air Berlin noch die Lufthansa haben bislang eine Neigung gezeigt, das dafür notwendige Geld auf den Tisch zu legen.

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