Kristin Dowe
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Kristin Dowe

Die Zahlen sind erschütternd: Gut 10 000 schwerkranke Patienten warten in Deutschland aktuell auf ein Spenderorgan. Nach Auskunft der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist 2017 jeden dritten Tag ein Mensch gestorben, weil es kein passendes Organ für ihn gab. In Anspruch nehmen würden laut Umfragen eine Mehrheit der Deutschen ein Spenderorgan, wenn sie zur Rettung des eigenen Lebens medizinisch darauf angewiesen wären. Aber selbst einen Organspendeausweis beantragen und damit riskieren, nach dem Tod als „menschliches Ersatzteillager“ ausgeweidet zu werden? Nein, danke.

Ohne sich moralisch über irrationale Ängste vieler Menschen erheben zu dürfen, sind es diese Mythen aus dem Reich Frankensteins, die das Vertrauen eines Teils der Bevölkerung in unser Gesundheitssystem beim Thema Organspende torpedieren. Es bedarf einer umfassenden Aufklärungsarbeit, dies zu ändern. Denn Fakt ist, dass die für eine Organentnahme erforderliche Hirntod-Diagnostik in Deutschland strengsten Auflagen unterliegt und es dabei aus guten Gründen keine wirtschaftlichen Profiteure geben darf.

Eine Portion Egoismus mag beim miserablen Abschneiden Deutschlands bei der Organspendebereitschaft im europäischen Vergleich zwar im Spiel sein – die Ursache des Problems ist aber komplexer. So fehlt es vielen Kliniken hierzulande, deren Arbeitsalltag von Bürokratie und steigendem ökonomischen Druck geprägt ist, an einer gelebten Kultur der Organspende. Auch deshalb klagen Transplantationsbeauftragte über schlechte Arbeitsbedingungen und zu geringe Bezahlung.

Es braucht eine politische Lösung, um diese Schwachstellen im System zu beseitigen. Leider bezeichnend ist dagegen, dass die Unterhändler von Union und SPD in ihrem Sondierungspapier kein Wort zu dem Thema verloren haben. Organspende ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Und funktioniert nur über Solidarität.

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