Spieglein, Spieglein an der Wand... welches Bildungssystem ist das beste im Land? Antworten darauf liefern seit mehr als zehn Jahren vielfältige Studien. In schöner Regelmäßigkeit erscheinen Pisa, zuständig für die weiterführenden Schulen, Iglu, ausgelegt für die Primarstufe, das Hochschulranking und der Bildungsmonitor, wobei sich letzterer gleich das gesamte System vorknöpft. So manches Ergebnis verwirrt dabei mehr als dass es Klarheit bringt, selbst ausgewiesene Experten streiten über die jeweilige Aussagekraft. Und doch - das ist die Gefahr dabei - wird jede einzelne Erhebung zur Grundlage politischer Entscheidungen. Nun ist es also der aktuelle Bildungsmonitor, der neuen Zündstoff bietet.

Die gute Nachricht vorweg: Gegenüber den Ergebnissen des ersten Monitors 2004 haben sich alle Bundesländer gesteigert, was im Grunde nicht verwundern kann. Seit den ersten Pisa-Resultaten 2001 wurden etwa mit Bildungsstandards und zentralen Prüfungen zahlreiche Anstrengungen unternommen, die Qualität der Bildung im Land der Dichter und Denker zu verbessern. Doch bis Fortschritte wahrnehmbar sind, braucht es Geduld. Geduld, die Eltern verständlicherweise nicht haben.

Womit wir bei der schlechten Nachricht wären: Rang 14 - Nordrhein-Westfalen gehört zu den Schlusslichtern. Das klingt indes dramatischer als es ist. So geht NRW sorgfältiger als andere Länder mit der Lebenszeit seiner Kinder um. Nur wenige Schüler werden verspätet eingeschult, die Zahl der Sitzenbleiber geht zurück. Zudem erhalten mehr Jugendliche eine Studienberechtigung.

Das entbindet die neue rot-grüne Regierung aber nicht von der Aufgabe, das Betreuungsangebot in Schulen und Hochschulen zu verbessern. Der beste Unterricht bringt nichts, wenn Klassen und Seminare zu groß sind. Sachsen und Thüringen zeigen, dass der Erfolg eines Landes nicht von seiner wirtschaftlichen Leistungskraft abhängt. Es geht vielmehr um den effizienten Einsatz von Sachmitteln und Personal. Für NRW bedeutet das: Geld, das durch sinkende Schülerzahlen frei wird, darf nicht in die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte fließen, sondern muss im System bleiben. Nur so ist ein Bildungssystem Motor für wirtschaftliches Wachstum.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer