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Olaf Kupfer

Olaf Kupfer

Sergej Lepke

Olaf Kupfer

Spätestens als die englische Fußball-Nationalmannschaft an den ungeschriebenen, jüngeren Gesetzen kratzte und gegen Kroatien ins WM-Finale einzuziehen drohte, muss in der Zentrale des Deutschen Fußball Bundes (DFB) in Frankfurt ein Licht angegangen sein. Diese WM wird – abgesehen von alternden Kroaten, denen die Liebe für ihre eigene Geschichte die Beine entschwert – von Mannschaften mit extrem jungen, extrem athletischen Spielern dominiert, die eine perfekte Mischung aus Laufleistung, taktischem und moralischem Zusammenhalt und substanzieller Spielkultur auf den Platz bekommen. Was englische und französische Spieler in ihren jeweiligen WM-Halbfinals an Löchern zuliefen, hat das deutsche Team nicht in drei Spielen geschafft – und diese These ist von Populismus weit entfernt. Soll heißen: Der Fußball hat sich extrem entwickelt. Ob er sich weiterentwickelt hat, mag jeder selbst bewerten, aber: Er hat sich spürbar verändert. Es ist ein schnelleres und intensiveres Spiel geworden, auch laufintensiver. Niemand kann sich mehr leisten, auf ein, zwei glorreiche Momente des Superstars zu hoffen. Und niemand wird mehr Erfolg haben, der mit einer mäßig motivierten Mannschaft anrückt und das Turnier vom Ende her plant, wie das der DFB wagte.

Was also abseits der atmosphärisch-gesellschaftlichen Probleme, die diese WM hier wechselseitig ausgelöst oder geprägt hat, zu lernen ist: Deutschlands Fußballer müssen sich neu erfinden. Viel mehr, als man das vor der WM für möglich gehalten hatte. Her muss eine ganz neue, junge Generation, die sich an den Missständen dieses „deutschen“ Auftritts orientiert. Mit Mentalität, mit fixem Verhaltensindex, mit Verantwortung für ihr Handeln. Und mit physischer Kraft und Handlungsschnelligkeit. Ob Joachim Löw diese Veränderungen bewirken kann? Der Bundestrainer ist jetzt erst einmal sechs Wochen raus, danach soll es eine Analyse geben. Es könnte sein, dass der DFB gerade zum wiederholten Male überholt wird.

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