Rolf Eckers
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Bischof, Andreas (abi)

Rolf Eckers

Rund anderthalb Jahre nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals bei VW erweist sich die Politik immer noch als unfähig, notwendige Konsequenzen zu ziehen. Während der Konzern den Autofahrern in den USA Schadenersatz zahlt, gehen die Betroffenen hierzulande leer aus. Der entscheidende Punkt ist, dass es in Deutschland keine Sammelklagen gibt. Das wollte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ändern und den rechtlichen Rahmen schaffen: Einer klagt, alle profitieren. Geliefert hat Maas bislang nichts. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) legt sich quer, weil er glaubt, die Autobauer hätten das verdient. Also muss jeder Käufer eines manipulierten Dieselmotors mit entsprechenden Kosten und Risiken allein nachweisen, dass er einen Schaden erlitten hat.

Diese Lücke im Verbraucherschutz sorgt bei den Anwälten für gute Geschäfte. Die cleveren Juristen bündeln übers Internet die Schadenersatzansprüche von VW-Kunden. Durch die Abtretung der Forderungen an einen Kläger können die Rechte vieler Opfer auch in Deutschland gesammelt werden. Die Autofahrer gehen kein Risiko ein, da Anwalts- und Prozesskosten entfallen. Zahlt VW, kassieren die Anwälte allerdings hohe Provisionen. Bei My Right sind es 35 Prozent. Die Firma arbeitet mit der Kanzlei des US-Anwalts Michael Hausfeld zusammen und finanziert die Prozesse. Die Erfolgsaussichten gelten als gut. Für die betroffenen VW-Fahrer könnte sich dieser Weg also lohnen.

Der Wolfsburger Konzern wäre gut beraten, wenn er mit seinen Kunden anders umgehen würde. Es reicht nicht, einfach nur eine neue Software aufzuspielen und die Autokäufer mit dem Wertverlust ihres Fahrzeugs allein zu lassen. VW-Lenker Matthias Müller und sein Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch spielen auf Zeit, statt mit den Kunden über einen fairen Ausgleich zu reden. Über eine Lösung, die für den Konzern verkraftbar wäre. Sollten die Klagen von My Right erfolgreich sein, könnte es für VW zu teuer werden.

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