kommentar Ministerin will Bundeswehr attraktiver machen

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Stefan Vetter

Stefan Vetter

Stefan Vetter

Bessere Aufstiegschancen, mehr Teilzeitjobs und eine geregelte Arbeitszeit. Diese Schlagwörter könnten dem Betriebskonzept eines Unternehmers entlehnt sein. Tatsächlich sind sie Inhalt eines geplanten Gesetzes, mit dem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Attraktivität der Bundeswehr erhöhen will. Im Zusammenhang mit der Truppe klingt das sicher noch gewöhnungsbedürftig. Doch wenn tatsächlich gelingen soll, was sich die CDU-Politikerin vorgenommen hat, muss auch die Bundeswehr zu einem Unternehmen werden, das mit der Wirtschaft konkurrieren kann.

Anders wird der Personalbedarf in der Bundeswehr nicht mehr zu decken sein, nachdem die Wehrpflicht ausgemustert ist. Von der Leyen ist also auf dem richtigen Weg. Wo immer Überlastungen vermeidbar sind, müssen auch Soldaten davon profitieren. Mit besseren Beförderungsmöglichkeiten und einer guten Arbeitsorganisation ist es allerdings noch nicht getan. Um junge Leute für den Militärdienst zu erwärmen, sind noch ganz andere Herausforderungen zu bewältigen. Schon ein Blick in den aktuellen Jahresbericht des Wehrbeauftragten genügt, um das zu erkennen.

Wenn mehr als jede dritte Soldaten-Unterkunft gravierende Mängel aufweist und fast jede zehnte eigentlich als unbewohnbar gilt, dann ist das alles andere als ein Werbeblock für die Bundeswehr. Nun verspricht die Ministerin zwar auch hier Abhilfe. Vor dem Hintergrund des riesigen Investitionsstaus sind ihre angekündigten 750 Millionen Euro, verteilt auf drei Jahre, allerdings noch nicht einmal der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Nun könnte man meinen, dass durch den beendeten Afghanistan-Einsatz Geld für andere Aufgaben frei wird. Doch so einfach ist es nicht. Die internationale Lage kann sich auch schnell ändern. Stichwort Ukraine-Krieg oder Nahost-Konflikt. Soll die Bundeswehr also wirklich attraktiv für junge Leute werden, muss die Verteidigungsministerin an vielen Fronten kämpfen. Die Opposition ist da eher ein pflegeleichter Gegner. Von der Leyen muss die Auseinandersetzung mit ihrem Parteifreund Wolfgang Schäuble suchen – als Kassenwart hat er das nötige Geld.

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