Warum bleiben überdurchschnittlich viele Schulleiter-Stellen an Grundschulen unbesetzt? Erinnern wir uns: Vor 21 Jahren hat eine noch von Johannes Rau berufene Bildungskommission die Vision von einer Schule der Zukunft entworfen. Ein „Haus des Lernens“ solle die Schule werden, „ein Ort, wo intensiv gearbeitet wird und die Freude am eigenen Lernen wachsen kann“. Doch es wurden nicht nur wohlklingende Phrasen aufgeschrieben. Ein Vorschlag lautete, dass Schulen einen größeren Gestaltungsspielraum erhalten sollen. Und tatsächlich führten zahlreiche Mini-Reformen in den nächsten Jahren dazu, dass Schulen selbstständiger arbeiten können, von konkreten Projekten bis zur Personalplanung.

Leider gehen hehre Visionen in der Bildungspolitik Hand in Hand mit Flickschusterei. Die teilautonome Schule sowie die zusätzlichen Aufgaben – Ganztags-Ausbau, Qualitätssicherung, zentrale Prüfungen, zuletzt die Inklusion – verlangen eine bessere personelle Ausstattung. Was sich das Land aber nicht leisten kann. Oder will. Hinzu kommt die Erblast des dreigliedrigen Schulsystems, das im Standesdenken des 19. Jahrhunderts wurzelt. Gymnasiallehrer verdienen mehr als das Personal an Realschulen, das wiederum mehr verdient als die Pädagogen an Grund- und Hauptschulen. Auch bei der unterschiedlichen Zahl der Entlastungsstunden, die ein Schulleiter für seine Führungs- und Verwaltungstätigkeit erhält, spiegelt sich das alte Hierarchiedenken wider. In dem hat die Ausbildung in der Primarstufe den niedrigsten Wert. Dabei werden in der Grundschule die Grundlagen gelegt für eine erfolgreiche Schulkarriere.

Keine Landesregierung könnte mit dieser fatalen Tradition auf einen Schlag brechen, doch mehr Mut zu größeren Schritten bedarf es schon. Rektorinnen und Rektoren an Grundschulen müssen besser bezahlt werden und mehr Freiraum für die Leitungsaufgaben erhalten. Damit das „Haus des Lernens“ keine leere Floskel bleibt.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer