cd456ab7-bb1e-4fc8-9ee1-3e51c61176c9.jpg
Ein Kommentar von Peter Kurz.

Ein Kommentar von Peter Kurz.

Ein Kommentar von Peter Kurz.

Für NRW-Innenminister Ralf Jäger war und ist es wie ein Ritt auf der Rasierklinge: Einerseits ist er der für die Landespolizei zuständige Minister, andererseits zeigt er schonungslos auf, dass die Polizei in der Silvesternacht versagt habe. Die Kölner Polizei. Nicht seine?

Er sei doch nicht für das operative Geschäft zuständig, sagt Jäger. Die Opposition, die ihn im Innenausschuss als mitverantwortlich kritisierte, wurde von der Offenheit des ihr erst in der Sitzung vorgelegten Berichts überrollt. Ging doch die Argumentationslinie bislang eher in die Richtung, dass zu wenig informiert worden sei. Werden dann aber ausführlich polizeiliche Fehler offengelegt, fällt dieser Angriffspunkt in sich zusammen. Da bleibt dann nur das eher schwache Argument: Jetzt will der Minister die Schuld auf die Polizei schieben.

Den einzelnen Polizisten, die bei ihrem Einsatz mit einem bisher nicht gekannten oder für möglich gehaltenen Gewaltphänomen konfrontiert waren, kann dabei kaum ein Vorwurf gemacht werden. Aber diejenigen Frauen, die Silvester zur falschen Zeit am falschen Ort waren, werden in ihrem Vertrauen darin, dass der Staat sie schützt, erschüttert. Und mit ihnen wir alle. Jeder kann zur falschen Zeit am falschen Ort sein.

Die Wahrheit über die furchterregenden Einzelheiten der Kölner Silvesternacht nun auch von offizieller Seite bestätigt zu bekommen, schreckt zunächst einmal zusätzlich. Doch nur diese Offenheit und das Eingeständnis der polizeilichen Fehler bietet die Chance, aus den schonungslos aufgedeckten Erkenntnissen Schlüsse zu ziehen. Nur wenn es der Polizei gelingt, auch solche bisher ungekannte Lagen in den Griff zu bekommen, lässt sich das tief erschütterte Vertrauen in den Rechtsstaat zurückgewinnen. Schon bricht sich nämlich der Vertrauensverlust Bahn – das zeigen gruselige Nachrichten über Bürgerwehren oder fremdenfeindliche Attacken selbst ernannter Rächer.

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer