d80fe42e-9bdb-4c5d-933f-2362755471f9.jpg
Olaf Steinacker

Olaf Steinacker

Judith Michaelis

Olaf Steinacker

Hätte es eines Causa Belli, eines Kriegsgrundes, bedurft, der Anschlag auf die Militärangehörigen in Ankara mit 28 Toten hätte ihn Recep Tayyip Erdogan geliefert. Der türkische Staatschef und sein Ministerpräsident Ahmet Davutoglu machen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und deren syrische Schwesterorganisation Partei der Demokratischen Union (PYD) für den Angriff nach Guerilla-Manier verantwortlich. Krieg gegen die kurdische Bevölkerung führt Ankara aber bereits seit vielen Monaten im eigenen Land; seit der vorigen Woche beschießen türkische Armee und Luftwaffe aber auch kurdische Stellungen im Norden Syriens – dort, wo die PYD das Sagen hat.

Ein Autobombenanschlag auf Soldaten im Regierungsviertel der Hauptstadt: Art, Ziel und Ort des Anschlags deuten tatsächlich auf die Handschrift kurdischer Rebellen. Bewiesen ist die Urheberschaft der PKK deshalb aber noch lange nicht. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kommt als Drahtzieher infrage. Handfeste Drohungen der Dschihadisten gibt es schon lange. Die letzte Ausgabe eines IS-Propaganda-Magazins ist auch auf Türkisch erschienen: Es zeigt auf dem Titel türkische Rekruten und bezeichnet sie als legitimes Angriffsziel. Vor allem in Internetforen wird auch über die Täterschaft des türkischen Geheimdienstes spekuliert – um Erdogan den gewünschten Grund für einen Einmarsch in Nordsyrien zu liefern.

Dieser scheint wahrscheinlicher denn je. Seine Bereitschaft, auch Bodentruppen in das Bürgerkriegsland zu schicken, hat Erdogan bereits deutlich signalisiert. Gemeinsam mit Saudi-Arabien und weiteren noch zu findenden Waffenbrüdern aus dem sunnitisch-arabischen Lager könnte die Türkei damit zwei ihrer außenpolitischen Ziele erreichen. Einerseits würde die Luft für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad angesichts dieser gewaltigen Streitmacht reichlich dünn, Assads Sturz ist Herzensanliegen Erdogans. Andererseits könnte Ankara – einmal im Land – seinen Plan, eine Schutzzone in Nordsyrien einzurichten, leicht umsetzen.

Dort geht es aber mitnichten um den Schutz von Syrern etwa vor den Fassbomben des Regimes, sondern um türkischen Einfluss auf die Kurdengebiete in Syrien – durch eine militärisch besetzte (Puffer-)Zone. Eine Idee, die neuerdings Zuspruch findet und heute beim EU-Gipfel in Brüssel Beine bekommen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel zumindest kann sich so etwas vorstellen. Sie nennt den Puffer allerdings Flugverbotszone.

Leserkommentare (9)


() Registrierte Nutzer