Rolf Eckers
Rolf Eckers

Rolf Eckers

Nele Eckers

Rolf Eckers

Keine Frage: Donald Trump ist authentisch. Der künftige US-Präsident redet so, wie er es für richtig hält. Ohne diplomatische Floskeln. Stattdessen gerne mal mit falschen Behauptungen. Im Interview mit „Bild“ und „Times“sagt er beispielsweise, dass Großbritannien gezwungen wurde, „all diese Flüchtlinge aufzunehmen“. Das ist falsch. In Großbritannien leben viele Einwanderer aus osteuropäischen EU-Staaten, aber fast keine Asylbewerber. Kritische Nachfragen gab es dennoch nicht. Vielmehr konnte Trump seiner Begeisterung für den Brexit freien Lauf lassen. Er gehe davon, dass noch mehr Mitglieder die EU verlassen werden. Die EU sei sowieso nur „ein Vehikel für deutsche Interessen“. Auch diese Aussage hält einer Prüfung auf Richtigkeit nicht stand.

Dennoch ist Trumps Welt keineswegs die eines triebgesteuerten Egomanen, der heute so und morgen so quatscht und twittert. Beim künftigen US-Präsidenten gibt es durchaus Positionen, die er seit Monaten konsequent vertritt. Zur Nato zum Beispiel. Das Militärbündnis sei obsolet, es sei zu schwach, zu alt, zu unfair, sagt der neue Chef im Weißen Haus. Trump will die Nato nicht wirklich auflösen, aber er fordert eine andere Verteilung der Kosten. Die Länder Europas werden mehr Geld für ihre Sicherheit ausgeben müssen. In diesem Punkt fällt es schwer, dem neuen US-Präsidenten zu widersprechen. Für Deutschland heißt das: Statt 34 Milliarden kostet die Verteidigung etwa 60 Milliarden Euro im Jahr. Das wäre fair.

Eine klare Linie verfolgt Trump auch bei den Autobauern. Nachdem er bereits Ford, General Motors und Toyota gewarnt hatte, gilt seine Drohung nun BMW. Wer in Mexiko Fahrzeuge baut, muss beim Import in die USA Strafzoll in Höhe von 35 Prozent zahlen. Das ist keine Wahlkampfrhetorik, sondern ernst gemeint. Zweifel sind dennoch angebracht, ob Trump sich damit durchsetzen kann. Denn Strafzölle bedürfen der Zustimmung des Kongresses. Und es scheint unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der Republikaner einen Handelskrieg mit dem Rest der Welt will. Für Vernunft könnte in Trumps Welt auch Rex Tillerson sorgen. Der Ölmanager wird bald US-Außenminister sein. Und anders als sein Chef hält er den Klimawandel nicht für Blödsinn, den die Chinesen erfunden hätten, um Amerika zu schwächen. Tillerson steht auch Russland skeptischer gegenüber als Trump. Gut, dass der Immobilienmilliardär solche Leute um sich hat.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer