Kristin Dowe
Ein Kommentar von Kristin Dowe.

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Dowe

Ein Kommentar von Kristin Dowe.

Unerschütterliche Optimisten könnten sich der Hoffnung hingeben, dass US-Präsident Donald Trump sich eines Tages als linker Kabarettist entpuppen wird, der auf der Bühne der Weltpolitik die Rolle seines Lebens gespielt hat. Denn welche infantile Peinlichkeit der Mann im Weißen Haus nun wieder via Twitter in Richtung Nordkorea ins Netz gekübelt hat, könnte sich wahrlich kein Satiriker besser ausdenken. Sein Atomknopf sei größer als der von Kim Jong Un, hatte Trump getwittert, nachdem der nordkoreanische Machthaber in seiner Neujahrsansprache erklärt hatte, dass „sein Atomwaffenknopf immer auf seinem Schreibtisch“ sei.

Man könnte Trumps phallisch anmutenden Vergleich komisch finden und als weiteres Symptom für unkontrolliert meuterndes Testosteron mit einem Achselzucken abtun – würde die eskalierende Kriegsrhetorik, die seit Monaten von beiden Seiten betrieben wird, nicht die ganz reale Gefahr eines Nuklearkriegs bergen. Mit seiner beharrlichen Weigerung, sich im Nordkorea-Konflikt um eine diplomatische Lösung zu bemühen, hat Trump erneut die Hoffnung zerschlagen, die Situation zu entspannen.

Dabei dürfte Kim Jong Un kaum ein ernsthaftes Interesse an einem Krieg haben. Ihm geht es um die Stabilität seines Regimes und die Anerkennung Nordkoreas als Atommacht. Dafür sprechen die moderaten Töne, die der Diktator ebenfalls in seiner Rede anschlug. So kündigte er an, die innerkoreanischen Beziehungen verbessern und eine Delegation zu den Olympischen Spielen nach Pjöngjang entsenden zu wollen. Auch die Wiederherstellung der bislang stillgelegten Kommunikationsleitung zwischen Nord- und Südkorea werten Beobachter als Zeichen für den Verständigungswillen des Diktators. Er muss sich bewegen, denn unter dem Druck der Wirtschaftssanktionen der Weltgemeinschaft ächzt sein Land unter Hunger und Armut.

Keine Frage – es ist wichtig, im Umgang mit totalitären Despoten klar Position zu beziehen. Provokationen gießen aber nur Öl ins Feuer und sind der falsche Weg.

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