Die Teil-Enteignung von Sparern in Zypern ist gefährlich.

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Ein Kommentar von Martin Vogler.

Ein Kommentar von Martin Vogler.

Schaller, Bernd (bes)

Ein Kommentar von Martin Vogler.

Stellen Sie sich vor, Sie haben 10 000 Euro auf dem Sparbuch. Und plötzlich sind es nur noch 9325 Euro. Die Differenz hat man Ihnen übers Wochenende weggenommen, weil vielleicht Banken schlecht gewirtschaftet haben, Ihre Regierung oder sonst wer Fehler gemacht hat. Klar ist nur: Sie haben nichts verbrochen, werden trotzdem bestraft. Da kocht nackte Wut. Wie bei den Sparern in Zypern.

Politisch gibt es Argumente für die Teil-Enteignung auf der Insel. Das angeblich reichlich vorhandene russische Schwarzgeld wird zum Teil abgeschöpft. Das klingt moralisch gut. Außerdem kann man es gegenüber den EU-Steuerzahlern gerecht finden, wenn nicht nur sie, sondern auch Anleger zur Kasse gebeten werden.

Doch der Plan für Zypern trifft nicht nur reiche Russen und Engländer, sondern auch Festlands-Griechen aus dem Mittelstand, die glaubten, wegen der Probleme im eigenen Land nach Zypern ausweichen zu können. Vor allem leiden einheimische Kleinanleger. Diese sind auch durch den Gerechtigkeits-Trick, bei kleineren Guthaben einen geringeren Prozentsatz zu nehmen, kaum zu beruhigen.

Dass Sparer wegen der Schuldenkrise zur Kasse gebeten werden sollen, ist eine neue Eskalationsstufe der Schuldenkrise. Doch es ist nicht der einzige Tabubruch. Die mit der Sparer-Enteignung verbundenen Hilfen für Zypern selbst widersprechen dem Geist des Maastrichts-Vertrages.

Staaten mit Finanzproblemen sollten sich eigentlich selbst helfen. Vor drei Jahren entschied Europa bei der Griechenland-Rettung erstmals anders, weil man befürchtete, Griechenland oder andere Länder könnten das gesamte System ins Wanken bringen. Dass diese Begründung bei Zypern, das nur wenige Einwohner mehr als die Stadt Düsseldorf hat, ebenfalls gültig ist, muss noch bewiesen werden.

Wenn die Enteignung der Sparer in Zypern wie geplant durchgezogen wird, dürften sich bei Wiederöffnung der Banken dort dramatische Szenen abspielen. Doch das ist minimal gegen die Gefahr, dass der Tabubruch, Sparern ihr Geld wegzunehmen, auch in Spanien, Portugal, Italien oder sogar Frankreich Reaktionen auslöst. Wenn dort – per Online-Banking geht das schnell – viele ihre Anlagen in vermeintlich sichere Länder transferieren, wird die Lage sehr ungemütlich.

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