Nele Dohmen
Nele Dohmen

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Dirk Jochmann-Germany-47807 Kref

Nele Dohmen

Montagmorgen in NRW: Um 7.30 Uhr gibt es schon mehr als 300 Kilometer Stau auf den Autobahnen. Die Radiosender melden keinen Stau mehr, der weniger als zehn Kilometer lang ist – für nicht wenige Autofahrer eine Situation, in der nichts anderes zu tun bleibt, als vor Wut ins Lenkrad zu beißen.

Sicher hat der Landesbetrieb nicht Unrecht, wenn er betont, dass nicht alle Arbeiten an Autobahnbaustellen für die Vorbeifahrenden sichtbar sind – etwa wenn es um Entwässerungsarbeiten abseits der Straßen geht oder aber Arbeiten unter und neben einer Brücke. Die Kritiker des NRW-Baumanagements liegen aber auch richtig, wenn sie bemerken, dass die Zahl der Baustellen zunimmt und die Länge der Staus ebenfalls – und die Effizienz der Maßnahmen in Frage stellen.

Ein Blick ins Nachbarland lohnt sich: Denn Not macht bekanntermaßen erfinderisch. In den Niederlanden gibt es kein sekundäres Straßennetz – wenn die Autobahnen dicht sind, gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten über Bundesstraßen oder dergleichen. Die Überprüfung der staatlichen Bauprojekte durch unabhängige Experten aus der Wissenschaft hat ein beispielhaftes Baustellenmanagement hervorgebracht, das sich Zeitverschwendung nicht leisten kann.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat jetzt fünf Jahre Zeit, den vollmundigen Versprechen aus dem Wahlkampf Taten folgen zu lassen. „Unsere Brücken zeigen auf erschreckende Weise, was passiert, wenn man Infrastruktur viel zu lange nicht in Schuss hält“, sagte der Minister in einer Landtags-Sitzung des Verkehrsausschusses Ende September. Jetzt kann er es angehen. Allzu viel Mühe muss er sich dabei aber nicht mehr geben: Wenn ab 2021 die Infrastrukturgesellschaft kommt und von da an das Verkehrsnetz auf Bundesebene geplant wird, geben die Bundesländer die Zuständigkeiten ab. Das könnte eine große Chance sein: Denn dann endet die infrastrukturelle Planung nicht mehr an der Landesgrenze.

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