Ekkehard Rüger
Ekkehard Rüger

Ekkehard Rüger

Sergej Lepke

Ekkehard Rüger

Es war nur eine Randepisode des Katholikentages, aber eine bezeichnende: Aus Regensburg meldete sich der dortige Bischof Rudolf Voderholzer mit dem Hinweis, Forderungen zu Fragen der Sakramentenlehre, insbesondere zum Empfang der Kommunion für konfessionsverschiedene Ehen, seien nicht Aufgabe des Katholikentages. Öffentlicher Druck, der den Tiefgang der Debatte gar nicht wahrnehme, sei „wenig hilfreich“. Im Klartext: Das Laienvolk möge sich nicht in Dinge einmischen, von denen es nichts versteht und die es nicht zu entscheiden hat.

In Münster hat es dazu einige Repliken und Zurückweisungen gegeben, aber ein reflexartiger Aufschrei ist ausgeblieben – schlicht deshalb, weil es die katholische Basis immer weniger interessiert, welche Aufgaben ihr aus der kirchlichen Hierarchie zugeschrieben oder abgesprochen werden. Sie definiert ihr Selbstverständnis zunehmend neu – als „selbstbewusstes Gottesvolk“ (ZdK-Präsident Thomas Sternberg). Und der Erfolg von Münster samt seinem den Nerv der Zeit treffenden Leitwort gibt ihr Recht.

In einer Zeit politischer Radikalisierung und autokratischer Tendenzen beweist Kirche ihre Zukunftsfähigkeit eben nicht dadurch, dass sie ihrerseits ihre autokratischen Relikte bewahrt. Sondern indem sie sich als Gegenentwurf eines (eigen-)verantwortlichen Handelns in der Welt präsentiert, das sich nicht nur politisch, sondern vor allem christlich begründet. So lautet die Botschaft von Papst Franziskus, so lautet auch die Botschaft von Münster.

Die fünf Tage von Münster, letzter Katholikentag vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag 2021, legen noch eine andere Botschaft nahe: dass sich in nicht allzu ferner Zukunft das jährliche Wechselspiel evangelischer und katholischer Treffen ganz überholt haben könnte – zugunsten dauerhafter Gemeinsamkeit. Das wäre für viele gewiss eine Zumutung, aber auch ein starkes Signal des selbstbewussten Gottesvolkes an die kirchliche  Hierarchie.

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