Thomas Gehringer
Thomas Gehringer

Thomas Gehringer

Nanninga, Bernd (bn)

Thomas Gehringer

Die Zahlen, die eine Langzeitstudie über die Rückfallquote von Straftätern ermittelt hat, sind nicht eben beruhigend. Fast die Hälfte begeht im Laufe der nächsten Jahre erneut eine Straftat. Das Ergebnis ist umso erstaunlicher, da das Bundesjustizministerium noch vor zwei Jahren eine ähnliche Studie vorgestellt hat, die lediglich eine Rückfallquote von 35 Prozent ermittelt hatte. Der Unterschied lässt sich vermutlich nüchtern erklären. Die Untersuchung von 2014 legte eine Million Fälle aus dem Jahr 2007 zugrunde, die aktuelle Studie Fälle aus dem Jahr 2004: Der Zeitraum, in dem die Rückfall-Quote untersucht wurde, war entsprechend länger. Nicht verwunderlich also, dass die Zahl rückfälliger Straftäter höher ist. Das macht die Ergebnisse allerdings nicht besser.

Befriedigend ist ein solches Jonglieren mit Statistiken auf einem derart sensiblen Politikfeld nicht. Die Autoren betonen, man möge aus den Daten keine Folgerungen über Ursache und Wirkung ziehen. Das ist ein verständlicher Appell, aber wohl nicht mehr als ein frommer Wunsch, denn auf kaum einem anderen Gebiet sind populistische Schnellschüsse beliebter als auf dem der Kriminalitätsstatistik und der inneren Sicherheit.

Was also lässt sich aus einer solchen Erhebung lernen? Im Kern geht es um eine alte Debatte: Dient der Strafvollzug allein der angemessenen Bestrafung? Oder wird er auch dem Anspruch gerecht, Täter wieder zu einem straffreien Leben in Freiheit zu befähigen? Resozialisierung bedeutet nicht, dass die Gesellschaft zu lasch und verständnisvoll mit Tätern umgeht, sondern ist eine vorbeugende Investition in die Sicherheit.

Leider ist der Knast nicht gerade der Ort, an dem die Resozialisierung von Straftätern besonders erfolgversprechend wäre. Dies hat auch die jüngste Studie wieder bestätigt. An Strafen führt kein Weg vorbei, aber mehr Knast ist sicher keine Lösung. Vielmehr kommt es auf die Qualität des Strafvollzugs an. Das wäre auch mal ein schönes Thema für eine Studie.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer