Rückblickend erscheinen die Studentenzeiten in rosigem Licht. Das Studium konnte überwiegend nach den eigenen Interessen und Bedürfnissen ausgerichtet werden, und im Vergleich zu den begrenzten Urlaubstagen waren die Semesterferien geradezu paradiesisch lang. Diese und etliche andere Vorteile trösteten darüber hinweg, dass damals nur wenig Geld auf das eigene Konto floss.

Heute scheint von dem schönen Studentenleben nicht viel übrig zu sein. Seit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge machen Zeitdruck, Überforderung und Konkurrenzdenken unter den Kommilitonen viele angehende Akademiker krank.

Nach einer Erhebung des Deutschen Studentenwerks leiden bereits elf Prozent aller Hochschüler unter psychischen Krankheiten, eine Vielzahl bewältigt den Tag nur mit Psychopharmaka. Da ist die Frage angebracht, ob die Schuld für diese alarmierende Entwicklung bei der ungeliebten Studienreform zu suchen ist.

Rückblickend wurde auch für Diplom oder Magister gebüffelt. Es gab Leistungsdruck und Hektik, denn auch damals war es bei aller rosigen Rückschau nicht leicht, Uni und Nebenjob unter einen Hut zu bringen. Doch während früher bei Prüfungen zu Kaffee oder Cola gegriffen wurde, wirft man sich nun eine Pille gegen die Panik oder für die Leistungssteigerung ein. Der leichte Zugang zu entsprechenden Medikamenten über das Internet macht’s möglich.

Es bringt indes nichts, dem Studium generale im Humboldt’schen Sinn nachzutrauern und eine Abkehr von der Bologna-Reform zu fordern. In puncto Internationalität und Vergleichbarkeit der Abschlüsse gibt es zu Bachelor und Master keine Alternative.

Die zunehmende Verschulung der Inhalte macht die Orientierung leichter. Politik und Hochschulen stehen jedoch in der Pflicht, das Studium studierbar zu machen. Die Unis müssen ihre neuen Freiheiten nutzen, um gemeinsamen mit den Studenten die Fächer von Stoffballast zu entrümpeln.

Genauso notwendig sind kleine Kurse und eine bessere Beratung. Das kostet Geld, fraglos. Jährlich fehlen allein für mehr Dozenten 1,1 Milliarden Euro. Da muss die Politik Farbe bekennen und sagen, wieviel ihr ein gut ausgebildeter Nachwuchs wert ist. Die Erinnerung an rosige Zeiten hilft da nicht weiter.

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