Indem die Regierungen versuchen, ihrer Industrie gezielt Vorteile zu verschaffen, verschärfen sie die Krise - und riskieren einen Handelskrieg.

Von Friedrich Roeingh.
Von Friedrich Roeingh.

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Wenn es in dieser Krise einen Hoffnungsschimmer gab, dann war es das Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit. Geschockt von der verheerenden Wirkung der Lehman-Pleite schworen sich alle bedeutenden Industrienationen und Schwellenländer, die Krise nicht noch durch Alleingänge zu beschleunigen. Doch je mehr sich der Absturz des globalen Finanzsystems zur Weltwirtschaftskrise auswächst, umso mehr geraten diese guten Vorsätze in Vergessenheit.

Die französische Regierung peppelt ihre angeschlagene Autoindustrie und fordert, den notwendigen Jobabbau allein in ausländischen Werken vorzunehmen. Die Vereinigten Staaten haben zwar die Worte "buy american" aus ihrem 800 Milliarden Dollar schweren Konjunkturpaket gestrichen. Faktisch soll die Staatshilfe aber doch vor allem amerikanischen Unternehmen zu Gute kommen. Und in schönster Verlogenheit zeigt der eine auf den anderen, um dann dieselben Sünden zu begehen.

Dabei hat der verführerische Wettlauf um die Abschottung nationaler Märkte gerade begonnen. Wenn der beispiellos rasanten Rezession in einigen Monaten ein massenhafter Anstieg der Arbeitslosigkeit folgen wird, schlägt erst die Stunde der Populisten. Kein Regierungschef wird dann einer wirtschaftsnationalistischen Rhetorik widerstehen, obwohl er um die Unlogik des Protektionismus’ weiß: Der vermeintliche Schutz der heimischen Wirtschaft wird mit einem wesentlich höheren Preis bezahlt - dem Ausbremsen der weltwirtschaftlichen Erholung.

Für diese fatale Wechselwirkung ist unsere vernetzte Ökonomie wahrscheinlich noch anfälliger als in den 30er Jahren. Jetzt rächt sich, dass wir selbst im Aufschwung die Globalisierung pauschal verteufelt haben. Und wir haben den europäischen Binnenmarkt geschaffen, ohne uns von der Illusion wirtschaftlicher Souveränität zu verabschieden.

Die Erfahrung zeigt, dass Protektionismus zu Beginn einer Krise bekämpft werden muss. Die Europäische Union hat mit dem gerade verabredeten Dreifach-Gipfel die letzte Chance, wirtschaftspolitische Vernunft über populistische Reflexe siegen zu lassen. Und sie muss dafür sorgen, dass das Thema ganz oben auf die Tagesordnung der nächsten G-20-Runde gesetzt wird.

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