Acht Jahre Pisa-Panik. Acht Jahre, in denen sich gerade in der Mittelschicht eine Stimmung breitgemacht hat, die an die letzten Stunden vor dem Untergang der "Titanic" erinnern: Rette sich, wer kann! Und am besten auf die Privatschulen. Für die kommerziellen Anbieter sind die in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrenden Pisa-Debakel eine kostenlose Werbekampagne.

Zudem locken sie mit bilingualem Unterricht, besonders engagierten Lehrern und innovativen Unterrichtskonzepten. Da kann eine staatliche Schule in einem strukturschwachen Gebiet mit hohem Ausländeranteil natürlich nicht mithalten.

Doch es würde ein Blick in genau jene Pisa-Studien genügen, um festzustellen: Staatlich ist nicht automatisch schlecht, privat nicht immer gut. Unterricht oder Lehrer werden nicht besser, nur weil der Staat sich heraushält. Private wie öffentliche Schulen sind an vorgegebene Lehrpläne gebunden und stehen unter staatlicher Aufsicht.

Den Unterschied macht etwas anderes aus: Ersatzschulen produzieren vor allem deshalb bessere Ergebnisse, weil ihre Schüler bessere Voraussetzungen mitbringen. Nicht die Lehrer sind zwangsläufig besser, sondern die Elternhäuser.

Das zeigt auch die aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Wer selbst eine gute Schulbildung hat, weiß um deren Bedeutung. Der will auch, dass sein Kind mit den besten Voraussetzungen ins berufliche Leben startet. Und der sieht sein Kind womöglich in einer Privatschule besser aufgehoben.

So bitter es ist: Eltern aus bildungsfernen Schichten interessieren sich häufig nicht für die Schullaufbahn ihrer Kinder und erst recht nicht für die Möglichkeiten, die Ersatzschulen Familien auch ohne dicken Geldbeutel bieten.

Dennoch muss man das wachsende Misstrauen der Eltern gegenüber dem staatlichen System ernst nehmen. Denn es zeigt, dass die Politik in ihrem Reformwahn (Beispiel: Turboabitur) die Familien nicht mitgenommen hat. Es zeigt aber auch, dass der Wettbewerb zwischen Schulen ein Schlüssel für Qualität ist.

Das müssen viele öffentliche Einrichtungen erst noch begreifen. Langfristig haben nur Schulen eine Zukunft, denen es gelingt, mit wenigen Ressourcen einen Unterricht zu gestalten, der jeden Schüler anspricht. Der Schulträger ist dann Nebensache.

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