Ekkehard Rüger.
Ekkehard Rüger.

Ekkehard Rüger.

Sergej Lepke

Ekkehard Rüger.

Als ich vor vielen Jahren nach einem schweren Unfall mit mehreren offenen Brüchen in der Klinik lag, galt eine der größten Sorgen der Ärzte einer möglichen Knocheninfektion. Bei einer Visite hat dann einer der Oberärzte erst den Wundverband abgenommen – und danach kräftig über der Wunde geniest. Soll ich davon erzählen? Oder von der ärztlichen Kunst, die mir Tage zuvor die Beinamputation erspart hat? Der Oberarzt war bei der Operation dabei.

Seit diesen Tagen öden mich alle Qualitätsoffensiven, Zertifizierungsverfahren und Reformankündigungen im Gesundheitswesen unendlich an. Sie öden mich an, weil sie mir die Kontrollierbarkeit eines Systems vorgaukeln, das ich als extrem personenabhängig empfinde.

In derselben Klinik, die mir damals zumindest mein Bein und vielleicht sogar mein Leben gerettet hat und die ich darum bis heute verehre, hat der Vater meiner Frau nach einer hoch qualifizierten Herzoperation das Trauma einer katastrophalen Pflege durchlitten. Wo ordnet man die Klinik jetzt ein: als Ort, der Leben rettet, oder als Patientenrisiko? Ich habe Ärzte und Pflegekräfte erlebt, die ganz ohne Not und Stress so unsensible Idioten waren wie ihre Kollegen in der nächsten Schicht meine Rettung. Wenn der angesehene Chefarzt einer Spezialklinik einen schlechten Tag hat, wäre der Gang in das kleine Vorstadtkrankenhaus zu einem engagierten Oberarzt mit weniger Erfahrung vielleicht doch die richtige Entscheidung gewesen.

Unser Gesundheitssystem ist eines der besten der Welt, unsere Krankenhäuser genießen im Ausland hohes Ansehen. Gerne dürfen Krankenkassen, Gesundheitspolitiker und Krankenhäuser trotzdem weiter über Personalausstattung, qualitätsorientierten Umbau und Risikominimierung streiten. Aber dass unser Leben in Gefahr ist, solange wir nicht tot sind, wird auch das ausgefeilteste Monitoring nicht ändern. Darum höre ich ihnen schon lange nicht mehr zu.

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