Die Griechenland-Hilfe wird noch viel Geld kosten

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Werner Kohlhoff

Werner Kohlhoff

Werner Kohlhoff

Vielleicht fällt es leichter, die gestrige Entscheidung des Bundestages für die Griechenland-Hilfe zu akzeptieren, wenn man den Vorgang mit einer Privatinsolvenz vergleicht. In der Wohlverhaltensphase müssen überschuldete Menschen sechs Jahre lang alles, was pfändbar ist, bei ihren Gläubigern abliefern. Sie werden auf das einfachste denkbare Leben zurückgestuft. Aber danach sind sie schuldenfrei und können neu starten. Das ist am Ende auch für die Gesellschaft vernünftig.

Genau darum geht es bei Griechenland. Es wäre teurer, Griechenland zu verlieren. Für den Euro, weil nicht sicher ist, wie die Finanzmärkte dann reagieren. Für Europa, weil nicht sicher ist, ob es einen solchen ersten Zerfall im Südosten vertragen würde.

Die Regierung Tsipras hat mitten in der laufenden Rettungsphase sehr forsch versucht, die Wohlverhaltenspflicht zu lockern. Das hatte sie ihren Wählern versprochen. Grundregeln der politischen Logik lassen sich aber auch durch politische Euphorie nicht außer Kraft setzen. Wer kein Geld hat, kann nicht hoch pokern. Vor allem Deutschland hat mit Beharrlichkeit auf der Einhaltung des Reformplans bestanden.

Freilich, die übliche Kehrseite der Wohlverhaltensphase einer Privatinsolvenz, dass nämlich die Restschulden nach Ablauf der Frist komplett erlassen werden, wird auch im Fall Griechenland noch kommen. Die Hilfe wird noch teuer. Es ist schon jetzt absehbar, dass nach dem Ende der gestern beschlossenen Programmverlängerung im Juni ein weiteres Hilfsprogramm nötig sein wird.

Immerhin: Der Primärhaushalt Griechenlands (ohne Zinslasten) ist bereits ausgeglichen und die Wirtschaft wächst wieder leicht. Das sind erste Reformerfolge. All das wird aber wieder zunichte gemacht, wenn die Altlast von über 300 Milliarden Euro stehen bleibt oder durch die Zinsen immer weiter steigt. Das kann ein so kleines Land mit so schwacher Wirtschaft nicht stemmen. Deshalb wird auch Europa inklusive Deutschland, dereinst vor der Konsequenz des 2010 begonnenen Rettungsweges stehen. Man wird dem Land seine Verbindlichkeiten abnehmen müssen, sobald klar ist, dass eine derartige Überschuldung nicht wieder vorkommt.

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